Mittwoch, 31. Dezember 2025

Moden und Veränderungen

Ansprache am Altjahrsabend, 31.12.2025, über Hebräer 13,8.9a:


Jesus Christus ist gestern und heute der selbe,
und wird es auch in Ewigkeit sein.
Lasst euch nicht von verschiedenartigen, fremden Moden hinreißen.
Es ist gut, wenn das Herz durch Gnade gefestigt wird.

Liebe Schwestern und Brüder,

das Jahresende ist nicht nur eine Zeit der Rückblicke,
sondern auch der guten Vorsätze.
Im neuen Jahr soll manches anders werden, oder wenigstens etwas:
Man will endlich mit dem Rauchen aufhören,
regelmäßig Sport oder Gymnastik treiben,
den Keller, den Dachboden oder den Schreibtisch aufräumen, usw.

Allen diesen guten Vorsätzen ist gemein,
dass es sich um Dinge handelt,
zu denen man eigentlich keine Lust hat.
Sonst müsste man sie sich nicht extra vornehmen.
Daher ist es auch nicht unwahrscheinlich,
dass die selben Vorhaben in einem Jahr
wieder auf der Liste der guten Vorsätze landen werden.

Warum macht man das überhaupt,
sich etwas für das neue Jahr vornehmen?
Es scheint, als ob die Tatsache,
dass morgen ein neues Jahr beginnt, in uns das Gefühl weckt,
jetzt müssten auch wir neu werden,
etwas Neues anfangen, etwas in unserem Leben ändern.

Das kann man natürlich jederzeit;
jeden Tag kann man etwas Neues beginnen,
an jedem Tag kann man etwas ändern - kann man sich ändern.
Aber ein normaler Tag entfaltet nicht diesen Drang,
die Veränderung ernsthaft anzugehen,
wie es der Jahreswechsel tut.

Darum sind die Enttäuschung über sich selbst
und das schlechte Gewissen
im neuen Jahr besonders groß,
wenn man mal wieder die guten Vorsätze
nicht in die Tat umgesetzt
oder nach kurzer Zeit wieder aufgegeben hat.

In dieser misslichen Lage will der Hebräerbrief uns Mut machen:
Lauft nicht jeder Mode nach, haltet am Bewährten fest, sagt er uns.
Es kann euch vom Weg abbringen,
wenn ihr euch nach der Mode richtet.
Es kann euer Herz unsicher und wankelmütig machen.
Vor dieser Gefahr will er uns schützen.

Moden - oder „Lehren”, wie es wörtlich heißt -
kommen und gehen und sind meist nicht von Dauer.
Trotzdem sind sie wie die Spitze eines Eisbergs:
Sie sind Anzeichen einer größeren Veränderung,
die sich allmählich anbahnt.
Moden muss man nicht mitmachen,
aber einer Veränderung kann man nicht entgehen.

Veränderungen verunsichern.
Was gestern noch wichtig war, ist es heute nicht mehr.
Was gestern richtig war, kann heute falsch sein.
Die Wende 1989 brachte bei aller Freiheit
für viele auch eine große Verunsicherung mit sich.
Die Corona-Pandemie, der Angriff Russlands auf die Ukraine
haben vieles infrage gestellt, was uns selbstverständlich schien.
Seitdem scheint nichts mehr so, wie es einmal war.

In dieser Verunsicherung suchen manche Sicherheit
in Werten und Rezepten der Vergangenheit.
Sie machen die neuen Moden verantwortlich dafür,
dass sich etwas grundlegend geändert hat -
dabei sind sie nur Symptom, nicht Ursache der Veränderung.
Manche suchen jemanden,
dem sie die Schuld an der Veränderung geben können,
und finden Schuldige in den Fremden und Andersartigen.

Der Hebräerbrief fordert uns dazu auf,
in allen Moden und Veränderungen an dem festzuhalten,
der sich nicht verändert: Jesus Christus:
„Jesus Christus ist gestern und heute der selbe,
und wird es auch in Ewigkeit sein.”

Dabei geht es nicht so sehr darum,
dass Jesus als Gottes Sohn ewig ist,
kein Phänomen, keine Mode einer bestimmten Zeit,
sondern von Gott geboren vor aller Zeit
und Gott in alle Ewigkeit.

Sondern darum geht es vor allem,
dass Jesus’ Haltung zu uns sich niemals ändert.
Jesus’ Haltung zu uns ist keinen Launen oder Moden unterworfen.
Er bleibt unerschütterlich an unserer Seite.
Und liebt uns, ganz gleich, was geschieht -
ganz gleich auch, was wir tun oder nicht tun.

Dass Christus an unserer Seite ist und bleibt,
das gibt uns Halt und Vertrauen in allen Veränderungen.
Es kann sein, dass wir uns umgewöhnen,
uns auf neue Verhältnisse einstellen müssen.
Es kann sein, dass das Leben anstrengender wird,
vielleicht sogar gefährlicher.

Aber das, was unserem Leben Sinn und Halt gibt:
Dass Gott uns über alle Maßen liebt,
dass er uns von Herzen vergibt, wenn wir ihn darum bitten,
und dass unser Leben bei ihm geborgen ist über den Tod hinaus,
das steht keinen Augenblick infrage.
Das ist die Gnade, die unser Herz fest macht.

Veränderungen sind anstrengend, herausfordernd.
Aber sie verunsichern uns nicht,
sie werfen uns nicht aus der Bahn.
In diesem Vertrauen, mit diesem Halt gehen wir in das neue Jahr.