Sonntag, 1. Februar 2026

Glaube im Alltag

Predigt am letzten Sonntag nach Epiphanias, 1. Februar 2026,
über Matthäus 17,1-9

Liebe Schwestern und Brüder,

was macht ein Leben aus?
Was macht ein Leben zu einem guten, erfüllten Leben?
In dieser Frage sind wir alle Expertinnen und Experten.
Entweder, weil wir zufrieden sind mit unserem Leben.
Oder weil wir gerade unzufrieden sind –
und darum ganz genau wissen,
was uns fehlt und was sich ändern müsste.

Was macht ein Leben aus?
Rückblickend stellt sich heraus,
dass es die besonderen Ereignisse waren -
eine Liebeserklärung, eine Hochzeit, eine Geburt, eine Taufe -
die Hoch-Zeiten und Höhepunkte eines Lebens,
die sich aus einem Leben herausheben,
die unser Leben glücklich, besonders, einzigartig machen.

Zumindest sind sie es wert, erzählt zu werden.
Wen interessiert schon der Alltag,
die eintönige Ebene der ständig wiederkehrenden Aufgaben und Pflichten?
Das Essenmachen, das Gassigehen und Blumengießen,
das Bügeln, Auf­räu­men und Putzen;
die tägliche Fahrt zur Arbeit, der berufliche Trott.
Viel spannender sind da doch eine Urlaubsreise, ein runder Geburtstag,
ein gewonnener Wettkampf, eine Ehrung, die einem zuteil wurde.
Nie vergisst man ein einmaliges Ereignis,
das man miterleben durfte, wie die Wende 1989.
Solche besonderen Ereignisse
heben sich als Höhepunkte aus dem flachen Einerlei heraus -
Höhepunkte, die man nicht übersehen kann
und die man nie mehr vergisst.

Mit dem Glauben ist es nicht anders.
Was uns im Glauben beflügelt, was uns erfüllt
sind einmalige Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Glauben:
die besondere Gemeinschaft auf einer Rüstzeit;
die mitreißende Atmosphäre eines Kirchentages;
eine innige Andacht im kleinen Kreis von Gleichgesinnten;
die Überwältigung durch einen wunderbaren Kirchraum,
durch den Klang einer Orgel, eine feierliche Liturgie;
das Singen oder Hören einer Passion oder eines Oratoriums.
All das sind Gipfelerlebnisse,
an denen sich unser Glaube entzündete,
an denen wir Gottes Nähe spürten
und auf die wir deshalb immer wieder zurückkommen.

Von einem solchen Gipfelerlebnis
erzählt auch das heu­ti­ge Evangelium:
Drei Jünger werden auserwählt,
mit Jesus auf einen Berg zu steigen.
Und wir dürfen mitkommen;
dürfen Zeuginnen und Zeugen dieses besonderen Geschehens sein:
Wie sich Jesus auf dem Gipfel verwandelt,
wie ein Leuchten von ihm ausgeht,
und wie sich die zwei größten Gestalten des Glaubens
Mose und Elia – zu ihm gesellen.
Und dann ertönt auch noch die Stimme Gottes selbst:
Dies ist mein lieber Sohn,
an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!”

Der Berg in der Geschichte der Verklärung Jesu
ist der Ort und das Symbol eines religiösen Gipfelerlebnisses,
einer ganz besonderen Gotteserfahrung.
Schon am Anfang der Geschichte findet sich ein Hinweis,
dass etwas Außergewöhnliches bevor­steht:
Nach sechs Tagen ...,” heißt es da.
Nach sechs Tagen, am siebten Tag, ist Sonntag – so wie heute.
In meiner Kindheit war das ein außergewöhnlicher,
vom Alltag deutlich unterschiedener Tag:
Man zog die Alltagskleidung aus und Sonntagskleidung an.
Es gab Leckeres zu es­sen.
Manchmal machte die Familie einen Spaziergang,
einen Ausflug, oder besuchte Verwandte.

Der siebte Tag, der Sonntag, hebt sich heraus aus dem Alltag.
Vielleicht kein Gipfel, aber zumindest ein Hügel.
Eine Erhebung in der Ebene des Alltags,
auf der man Außergewöhnliches erwarten darf.
Und wir werden nicht enttäuscht.
Die Geschichte von der Verklärung hat alles,
was zu einem Gipfelerlebnis des Glaubens gehört:
Die Überwältigung durch das göttliche Licht.
Das besondere religiöse Erlebnis in Gestalt von Mose und Elia.
Die Erfahrung der Nähe Gottes.
Darum möchte Petrus so gern Hütten auf dem Berg bauen:
Er möchte bleiben und dieses Licht nie mehr verlassen.
Er möchte sie fest­hal­ten, die Gottesnähe, dieses Erfülltsein.

Aber als dann Gott mit ihnen redet,
wird es den Jüngern zuviel der Nähe.
Diese Fülle des Heiligen macht ihnen Angst.
Sie werfen sich zu Boden, wie um in Deckung zu gehen,
nicht geblendet zu werden von dem Licht, das sie umstrahlt.

Als sie wieder aufblicken, ist alles vorbei.
Mose und Elia sind verschwunden.
Das Licht ist erloschen. Die Stimme Gottes schweigt.
Als sie Gelegenheit hatten, Gott ganz nahe zu sein,
einzutauchen ins göttliche Licht,
bekamen die Jünger es mit der Angst zu tun.
Soviel religiöses Gipfelerlebnis war zuviel für sie.
Mose und Elia sind verschwunden, das Licht ist erloschen.
Aber Jesus ist noch bei ihnen.
Jesus, wie sie ihn kennen,
in seiner gewöhnli­chen, alltäglichen Gestalt.
In dieser gewöhnlichen, alltägli­chen Gestalt
nicht in Glanz und Glorie – kommt er seinen Jüngern nahe:
Er rührte sie an,” heißt es im Evangelium.

Als Verklärter ist Jesus überwältigend und unnahbar.
Als Mensch ist er der Freund, dessen Nähe beruhigt.
Er ist nahbar, menschlich: Ein Mit-Mensch.
Ob das der eigentliche Grund ist,
warum diese Geschichte erzählt wurde
und immer noch erzählt wird:
Um uns, die wir auf der Suche nach einer Glaubenserfahrung,
nach einem besonderen religiösen Erlebnis sind,
zu zeigen, wo sie tatsächlich zu finden sind?

Nicht auf den Gipfeln der Verklärung,
die uns blenden und überwältigen.
Sondern dann, wenn der Alltag,
der graue Alltag, uns wieder hat.
Im ein­tönigen, schlichten, langweilig-grauen Alltag
rührt Jesus uns an, wie er seine Jünger anrührte.

Wie soll man sich das vorstellen?
Sind religiöse Erlebnisse doch ohnehin selten –
wie sollen sie dann im Alltag zu finden sein?
Wie sollen wir Jesus unter uns erleben können,
ausgerechnet in den alltäglichen Verrichtungen und Routinen?

Die Hö­hepunkte unseres Lebens,
die „Highlights” und Gipfelerlebnisse,
liefern den Stoff der Ge­schichten,
die wir immer wieder erzählen,
auch noch unseren Enkeln und Urenkeln.
Ebenso blicken wir auf die Highlights unseres Glaubens zurück,
wenn man uns fragt, wie wir zum Glauben gekommen sind,
welche Erfahrungen uns zur Kirche, zur Gemeinde geführt haben.

Doch auch unser Alltags ist es wert, erzählt zu werden.
Denn, wenn man genau hinschaut,
passieren die wirklich wichtigen Dinge
in den kleinen, unscheinbaren Szenen des Alltags,
die man so schnell wieder vergisst.

Wie z.B. die Oma das weinende Kind tröstet
mit einem Streicheln ihrer Hand, einem Stück Schokolade.
Wie die Partnerin, der Partner
das Aufstehen mit einem fri­schen Kaffee ans Bett erleichtert.
Wie Nachbarn selbstverständlich halfen,
ohne dass man sie darum bitten musste.
Wie jemand zuhörte, als man sein Herz ausschütten musste.
Wie ein Lächeln, das einem geschenkt wurde,
oder eine kleine Geste der Aufmerksamkeit
einem den Tag rettete.

So viele Geschichten – Ihnen werden noch viel mehr einfallen. 
So viele Geschichten, die nicht erzählt werden, 
weil sie so gewöhnlich erscheinen. 
Erst bei genauerem Hinsehen merkt man, 
wie außergewöhnlich sie sind: etwas ganz Besonderes.

Sie sind besonders, weil hier eine Begegnung stattfindet:
Eine andere, ein anderer begegnet uns 
freundlich, zugewandt, respektvoll, liebevoll: als Mitmensch.

Das ist etwas Besonderes, weil ein solcher Umgang 
nicht selbstverständlich ist - 
nicht die Regel, sondern die Ausnahme. 

Dabei fühlt man: Es könnte, nein, es müsste die Regel sein,
dass Menschen sich menschlich begegnen.
Jesus hat uns diesen Gedanken ins Herz gepflanzt.
Jesus hat so gelebt,
Jesus hat seine Freundinnen und Freunde aufgefordert,
es ihm gleich zu tun.
Und versprochen, dass sie im Mitmenschen ihm selbst begegnen würden.

Nicht auf den Gipfeln der Verklärung werden wir Jesus finden,
sondern in den unscheinbaren Begegnungen des Alltags.
Sie sind es, die unser Leben erfüllen,
die uns glücklich und unser Leben lebenswert machen. 
In ihnen, in diesen gewöhnlichen, alltäglichen Begegnun­gen, 
werden wir von etwas angerührt, das unseren Glauben stärkt,
das uns Mut macht und Hoffnung
und uns zeigt, wie mächtig die Liebe ist - 
gerade im Kleinen und Unscheinbaren.

In solchen scheinbar gewöhnlichen, alltäglichen Begegnungen 
rührt uns einer an, den wir in diesem Augenblich nicht erkennen. 
Wenn wir die Begegnung nicht gleich wieder vergessen,
sondern darüber nach­denken, was uns da gerade widerfahren ist,
erscheint ein Leuchten auf unserem Gesicht. 
Es ist ein Leuchten wie jenes, 
das die Jünger sahen auf dem Berg der Verklärung.

Sonntag, 25. Januar 2026

Das Maß des Glaubens

Predigt am 3. Sonntag nach Epiphanias, 25.1.2026über Apostelgeschichte 10,21-35


Petrus kam herunter vom Dach des Hauses, auf dem er gebetet hatte,

und sprach zu den Männern, die Kornelius zu ihm gesandt hatte:

Ich bin der, den ihr sucht. Aus welchem Grund seid ihr hier?

Sie sprachen: Dem Centurio Kornelius,

einem rechtschaffenen und gottesfürchtigen Mann,

der bei allen jüdischen Stämmen einen guten Ruf besitzt,

wurde von einem heiligen Engel geweissagt,

er solle dich in sein Haus bestellen und Worte von dir hören.

Da lud Petrus die Männer ein und nahm sie gastlich auf.


Nachdem er am Morgen aufgestanden war, brach er mit ihnen auf,

und einige von den Brüdern aus Joppe gingen mit ihm.

Am nächsten Tag erreichte er Cäsarea.

Kornelius hatte sie erwartet

und seine Verwandten und engsten Freunde zusammengerufen.

Wie Petrus eintrat, traf er auf Kornelius,

der ihm zu Füßen gefallen war und ihn anbetete.

Petrus aber zog ihn hoch und sagte:

Steh auf, auch ich bin nur ein Mensch.

Er ging mit ihm plaudernd hinein

und stößt auf eine große Versammlung.

Er sagte zu ihnen:

Ihr wisst, dass es einem Juden nicht erlaubt ist,

einen Stammesfremden zu berühren oder sich ihm zu nähern.

Mir aber zeigte Gott,

dass man keinen Menschen gemein oder unrein nennen soll.

Darum war ich willig zu kommen, als man mich rief.

Ich frage nun: Aus welchem Grund habt ihr mich gerufen?


Kornelius sagte: Vor vier Tagen um diese Zeit

war ich zum Nachmittagsgebet in meinem Haus.

Da stand ein Mann vor mir in glänzender Kleidung und sagte:

Kornelius, dein Gebet ist erhört

und deiner Spenden ist vor Gott gedacht worden.

Schicke nun nach Joppe

und lasse Simon holen, den man Petrus nennt.

Er wohnt im Haus Simons des Gerbers am Meer.

Sofort schickte ich nach dir,

und du bist freundlicherweise gekommen.

Jetzt sind wir also alle vor Gott beisammen,

um alles zu hören, was dir von Gott aufgetragen wurde.


Petrus hob an und sprach:

Wahrhaftig, ich erkenne, dass Gott nicht parteiisch ist,

sondern wer aus jedem Volk ihn fürchtet

und die Gebote hält, der ist ihm willkommen.



Liebe Schwestern und Brüder,


was muss man für seinen Glauben tun?

Was ist das Mindeste, das der Glaube verlangt,

und wie viel muss man zu tun bereit sein,

wenn man an Gott glaubt?


Diese Frage stellen sich gläubige Menschen hin und wieder.

Denn der Glaube ist ja etwas Existentielles.

Es geht dem Glauben ums Ganze unserer Existenz.

Unser ganzes Leben, unser ganzes Sein wird von Gott beansprucht.

Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir,”

schreibt Paulus an die Galater (Gal 2,20).


Das bedeutet nicht, dass Christus uns von innen auffrisst

und nichts mehr von uns übrig lässt als eine Hülle -

kein eigener Wille mehr, kein Ich, kein Selbst.

Aber es ist doch so, dass der Glaube an Christus mich bestimmt:

Ich lebe, weil Christus für mich gestorben ist.

Das ist ein für allemal am Kreuz geschehen

und will doch täglich neu von mir ergriffen werden.

Und worin besteht dieses Ergreifen, wenn nicht darin,

mir bewusst zu machen und bewusst zu sein,

dass dieser Tod Jesu am Kreuz aus Liebe geschah.

Aus Liebe, auch zu mir.


Auch zu mir - nicht wie zu einem Nachzügler oder Appendix,

nicht als Almosen oder Gnadenakt.

Sondern Jesus ist gerade für mich am Kreuz gestorben,

und für dich - und dich - und dich -,

weil er mich liebt - und dich - und dich - und dich.


Diese Liebe Gottes zu mir, aus der ich lebe,

will weitergegeben werden, strahlt auf andere aus.

Und da fragt man sich hin und wieder: Ist es genug?

Werde ich der Liebe, die Gott zu mir hat, gerecht,

wenn ich meinen Alltag lebe und tue, was ich kann,

oder muss es mehr sein, muss ich mehr tun?


Diese Frage wird auch von außen an uns herangetragen,

von gläubigen und ungläubigen Menschen gleichermaßen.


Ungläubige fragen, was Kirche eigentlich macht.

Dann verweisen wir auf die diakonischen Einrichtungen.

Aber so ganz überzeugend ist der Hinweis nicht:

Nur wenige Gläubige arbeiten direkt mit Menschen,

denen sie Gottes Liebe weitergeben können.


Und manchen wiederum, die an Gott glauben,

ist das, was die Mehrheit der Christenmenschen tut, zu wenig.

Von Anfang an haben Menschen nach Wegen gesucht,

ihr Leben ganz und gar dem Glauben zu weihen.

Sind als Einsiedler in die Wüste,

als Mönche und Nonnen ins Kloster gegangen;

haben als Diakonissen zusammen gelebt und gearbeitet.

Ihr dem Glauben geweihtes Leben

sahen manche als leisen oder lauten Vorwurf,

das, was die Mehrheit der Gläubigen tue, sei zu wenig.


Und dann gab und gibt es die Märtyrer,

die bereit waren, um ihres Glaubens willen

Nachteile, Verfolgung, Leiden

und sogar den Tod auf sich zu nehmen.

Wenn man die Haltung dieser Glaubenszeug:innen betrachtet,

fragt man sich unwillkürlich:

Könnte ich auch so zu meinem Glauben stehen?


Diese Frage stellte sich auch dem römischen Hauptmann Kornelius.

Und mit ihm vielen Menschen zur Zeit Jesu,

die in der Bibel als „Gottesfürchtige” bezeichnet werden.

Gottesfürchtige” nannte man Leute,

die vom jüdischen Glauben ergriffen worden waren.

Sie nahmen am Gottesdienst in der Synagoge teil,

lernten den Glauben kennen, verrichteten die Gebete.


Aber den letzten, entscheidenden Schritt

des Übertritts zum Judentum gingen sie nicht.

Denn ein Übertritt hätte damals für sie bedeutet,

ihre gesellschaftliche Stellung zu verlieren,

mit ihrer Herkunft, ihren Familien und Freunden zu brechen

und zu einer Außenseiterin, einem Außenseiter zu werden.


Der Hauptmann Kornelius ist darum sozusagen

der Extremfall eines Gottesfürchtigen;

bei ihm ist der Konflikt des Glaubens auf die Spitze getrieben.

Er ist ein Repräsentant des römischen Staates,

der die Juden tolerierte, aber nicht akzeptierte.

Bei einem Übertritt zum jüdischen Glauben

hätte er alles verloren, was er war und besaß.


Was Kornelius tun kann, ohne aufzufallen,

ohne seinen Platz in der Armee und in der Gesellschaft zu verlieren,

ohne Misstrauen oder Ärgernis zu erregen, das tut er:

Im Schutz seines Hauses betet er.

Und er spendet der jüdischen Gemeinde Geld,

die es an Arme und Bedürftige weitergibt.


Er würde wohl gern richtig dazugehören -

das scheint der Inhalt seines Gebetes gewesen zu sein,

das schließlich von Gott erhört wurde.

Aber wie sollte das möglich sein?


Petrus zeigt ihm einen Weg, den er gehen kann:

Wer aus jedem Volk Gott fürchtet

und die Gebote hält, der ist ihm willkommen.”

Gott fürchten - das bedeutet hier,

wie überall in der Bibel, nicht,

dass man Angst vor Gott haben muss.

Mit Gottesfurcht ist die Ehrfurcht gemeint,

die dazu führt, dass man Gott als Schöpfer seines Lebens

und als Herrn über sich und sein Leben anerkennt.


Was aber ist mit den Geboten?

Die hält Kornelius nicht in ihrer Gesamtheit,

wie es - zumindest als Absicht - vom jüdischen Glauben gefordert ist.

Als Soldat hat er auch keine Chance dazu;

das fünfte Gebot, „Du sollst nicht töten,” kann er nicht erfüllen.


Offensichtlich gilt es als Erfüllung der Gebote,

dass er der Gemeinde etwas spendet.

Das ist mehr als ein symbolischer Akt,

aber als Akt des Glaubens auch nicht wirklich überzeugend.

Denn eine Spende - selbst, wenn sie das Scherflein der Witwe wäre -

ist kein öffentliches Bekenntnis des Glaubens.

Andere tun Gutes mit dem Geld, das man ihnen gab.

Andere zeigen ihren Glauben, bewähren ihn gegenüber der Welt,

während man selbst als Gläubige:r anonym bleiben kann.

Offenbar darf Kornelius seinen Glauben verheimlichen.


Die Geschichte des Hauptmanns Kornelius zeigt,

wie der Glaube an Christus zu den Heiden kam,

die keine Juden waren wie Christus und seine Jünger.

Diese Geschichte schildert und begründet,

dass auch Nichtjuden von Gott eingeladen sind

und zu Gott gehören, wenn sie ihn fürchten

und sein Gebot halten - und nicht,

weil sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen.


Diese voraussetzungslose Zugehörigkeit gilt bis heute:

Wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist,

und glaubst in deinem Herzen,

dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat,

so wirst du gerettet.

Denn wer mit dem Herzen glaubt, wird gerecht;

und wer mit dem Munde bekennt, wird selig,”

schreibt Paulus im Römerbrief (Römer 10,9-10).


Mehr ist nicht nötig, mehr ist nicht verlangt:

Ein Lippenbekenntnis, im Grunde,

und eine Überzeugung im Herzen,

in das man einem Menschen nicht blicken kann.

Das ist sogar noch weniger, als Petrus von Kornelius will.


Wer zu Gottes Volk gehört und wer nicht,

das wird nicht von anderen entschieden -

nicht von Pastor oder Pastorin,

nicht von einer Gemeinde,

nicht von einer Institution wie der Kirche,

sondern von Gott allein.


Ob jemand Gott fürchtet und sein Gebot hält,

kann niemand von außen beurteilen.

Wozu Gott Menschen beruft

und wie Gott Menschen begnadet,

liegt allein in seiner Macht.

Jeder und jedem von uns überlässt er die Entscheidung,

wie wir unserer Berufung folgen.

Das ist die Freiheit, zu der Christus uns befreit.


Darum gibt es kein Maß für den Glauben,

kein Minimum und kein Maximum.

Wir, die wir in dieser Zeit leben,

in dieser Gemeinde, in dieser Kirche, in dieser Welt,

wir wünschten uns manchmal,

wir selbst, andere würden mehr tun.


Aber mit diesem Wunsch bauen wir nicht Gemeinde,

sondern beschweren die Gewissen -

unseres, und die anderer Gläubiger.


Gott sind wir recht so, wie wir sind.

Ihm genügt unser Glaube, ihm genügt, was wir tun,

auch wenn wir oder andere es für zu wenig halten.