Samstag, 14. März 2026

Erfüllung

Predigt am Sonntag Lätare, 15. März 2026, über Jesaja 66,10-14:

Freut euch an Jerusalem und jubelt über sie alle, die ihr sie liebt.
Freut euch an ihr und seid fröhlich alle, die ihr um sie getrauert hattet.
Denn ihr sollt saugen und satt werden an ihrem tröstenden Busen.
Ihr sollt in vollen Zügen trinken und euch laben an ihrer prall gefüllten Brust.

Denn so spricht der Herr:
Siehe da, ich breite bei euch aus den Frieden wie einen Strom.
Wie ein Wasserlauf strömt der Reichtum der Völker; ihr werdet ihn aufsaugen.
Ihr werdet auf der Hüfte getragen und auf den Knien geschaukelt werden.
Wie man von seiner Mutter getröstet wird, so will ich euch trösten;
durch Jerusalem sollt ihr getröstet werden.
Ihr werdet es erleben, und euer Herz wird sich freuen,
und eure Knochen werden sprossen wie frisches Grün.
Die Hand des Herrn wird offenbar an seinen Knechten
und sein Zorn an seinen Feinden.


Liebe Schwestern und Brüder,

was für ein bewegender Anblick, ein Säugling an der Brust seiner Mutter.
Natürlich schaut man weg, man starrt nicht hin,
wenn eine Mutter in der Öffentlichkeit ihr Baby stillt.
Aber Zuhause, in der Familie, kann man es erleben
und sich mit Kind und Mutter freuen.
Oder hat als Mutter selbst erfahren, wie das ist, sein Kind zu stillen.
Und mancher Vater war stolz und glücklich,
wenn er auch mal sein Kind im Arm halten und ihm die Flasche geben durfte.

Es gehört sicher zu den schönsten Augenblicken,
sein Kind so nah bei sich zu haben, es sättigen zu können
und dabei zu spüren, wie glücklich es dadurch wird.
Wer das als Mutter oder Vater erlebt hat,
kann aus eigenem Empfinden ermessen,
was das Baby in diesem Moment fühlen muss.
Und auch alle anderen können sich vorstellen,
dass hier die Wurzel für das Gefühl der Geborgenheit liegt.

Man kann es aber nur nachfühlen; man ist gezwungen, es sich vorzustellen.
An die eigene Säuglingszeit hat man keine Erinnerungen -
jedenfalls keine, die man bewusst hervorholen und sich vergegenwärtigen könnte.

Die ersten Lebensmonate, in denen man die Gefühle
der Geborgenheit und der Liebe kennen lernte,
in denen sich das zu formen begann, was wir unser „Ich” nennen,
erinnern wir nur aus zweiter Hand - von Fotos,
oder aus den Erzählungen unserer Eltern und Großeltern.

Wer ein Kind dabei beobachtet, wie es im Arm seiner Mutter gestillt wird,
spürt dabei ein tiefes Glücksgefühl.
Es ist das Glück, das man selbst empfand, als man im Arm seiner Mutter lag.
Nur hatte man damals noch keine Worte dafür.

II

Woher kommt dieses Glücksgefühl, das der Säugling beim Stillen erlebt?
Zunächst wird man sagen: Das Kind wird satt, darum ist es glücklich.
Jede und jeder, der oder die schon einmal Hunger gelitten hat,
wird sich daran erinnern, wie glücklich man war,
als es endlich wieder etwas zu essen gab.
Auch wenn man nicht kurz vorm Verhungern ist:
Essen macht glücklich - jedenfalls, wenn es lecker und liebevoll zubereitet ist.

Das Kind wird satt, und es wird getröstet.
Ein Baby macht lautstark auf sich aufmerksam,
wenn es Hunger hat, und dabei laufen ihm die Tränen.
Das Schreien ist nicht nur ein Reflex, der nichts weiter zu bedeuten hat.
Das Kind empfindet echten Schmerz, echte Verzweiflung.
Es kann ja noch nicht wissen, dass es nicht verhungern wird.

Die Brust der Mutter ist der Ort,
wo das Baby alles bekommt, was es zum Leben braucht:
Essen, Wärme, Geborgenheit und Liebe.
Sie ist der Ort, der für das Kind das Paradies ersetzt,
das Einssein mit der Mutter, aus dem es bei der Geburt vertrieben wurde.
Sie ist der Ort, der diesem Paradies am nächsten kommt
und an dem es das erhält, was es braucht, um zu wachsen
und es mit der Welt aufzunehmen.

III

Mit seinem Bild vom Saugen und Sattwerden an der Brust der Mutter
beschreibt Jesaja einen paradiesischen Zustand.
Einen Zustand, der für uns in einer Vergangenheit liegt,
die wir nicht mehr selbst erinnern können.
Trotzdem berührt uns dieses Bild,
verstehen wir sofort, was Jesaja damit meint.

Bei Jesaja ist es aber nicht die Brust einer Mutter.
Es ist die Stadt Jerusalem, die ihre Kinder stillt,
sie auf der Hüfte trägt und auf ihren Knien reiten lässt.
Eine Stadt als Mutter, die ihren Kindern alles gibt, was sie brauchen:
Nahrung, Geborgenheit, Schutz und Liebe.
Selbst für Jerusalem klingt das unvorstellbar.

Wir sind also nicht mehr auf dem Boden der Realität.
Es handelt sich um eine Vision Jesajas,
um einen Blick in eine paradiesische Zukunft, zu schön, um wahr zu sein.

Zumal Jerusalem zur Zeit Jesajas in Trümmern liegt -
nicht so heillos zerstört wie der Gaza-Streifen,
aber ohne das Haus Gottes, den Tempel,
ohne schützende Stadtmauer
und ohne all die öffentlichen Gebäude,
die eine Stadt erst zur Stadt machen.

In der Situation, in der sich Jesaja und seine Leserinnen und Leser befanden,
befinden wir uns heute auch.
Zwar leben wir hier zum Glück in Frieden und Sicherheit,
kennen Hunger und Zerstörung nur aus dem Fernsehen.
Aber an vielen Orten der Welt herrscht Krieg, und es drohen weitere Konflikte.
Die unverfrorene Willkür, mit der das Völkerrecht gebrochen,
missliebige Politiker verhaftet oder ermordet und Länder überfallen werden,
hat die gewohnte und bewährte Ordnung über den Haufen geworfen.
Man fragt sich bang, was werden wird.

IV

In diese Angst um die Zukunft spricht Gott uns Trost zu:

„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.”

Wenn wir an mütterlichen oder väterlichen Trost denken, erinnern wir uns daran,
wie wir auf den Schoß genommen wurden,
wenn wir hingefallen waren und uns das Knie aufgeschlagen hatten.
Das sanfte Pusten auf unserer Haut,
beruhigende Worte wie „heile, heile Segen …”

Wir erinnern uns an den mitleidigen Blick,
an die Anteilnahme, den Trost, die Ermutigung,
die Schulter zum Anlehnen und Weinen,
wenn uns Liebeskummer plagte.

Wir denken nicht an die Brust unserer Mutter,
wenn wir uns an den Trost erinnern, den wir erfuhren.
Das lag vor unserer Fähigkeit, uns bewusst zu erinnern;
vor der Zeit der Worte, mit denen wir Dinge
und später auch unsere Gefühle zu beschreiben lernten.

Hier bei Jesaja ist Gottes Trost einer, der wie eine Mutterbrust stillt -
den Hunger, und auch die Angst.
Gottes Trost stillt so umfassend,
wie wir das als Säuglinge im Arm unserer Mutter erlebten.

An der Brust der Mutter bekam das Kind alles,
was es zum Leben brauchte - Nahrung und Liebe,
Schutz und Geborgenheit.

Gottes Trost erfüllt uns ebenso: Gott vergewissert uns seiner Liebe,
die uns immer und unter allen Umständen gilt.
Bei Gott sind wir geborgen, weil Gott allem standhält -
er selbst hat Raum und Zeit geschaffen.
Gott sättigt unseren Durst nach Anerkennung, nach Liebe,
nach Leben und nach Sinn.
Und Gott erfüllt, was er verheißt.
Er hat damit schon begonnen.

V

Jesajas Vision beschwört einen paradiesischen Zustand.
Keine Stadt der Welt kann ihren Einwohner:innen
eine Geborgenheit geben, wie man sie im Arm seiner Mutter erfuhr.
Trotzdem ist es keine Utopie, die Jesaja beschreibt, sondern eine Vision.

Eine Utopie, zu deutsch: ein Nicht-Ort, beschreibt etwas,
das sein könnte, aber nicht ist und auch nicht sein wird,
weil der Mensch nun einmal so ist, wie er ist:
Er macht jede Utopie zunichte.

Die Vision, die Jesaja hat, ist dagegen etwas, das tatsächlich geschehen wird,
weil nicht wir sie verwirklichen. Gott tut es.
Sie ist kein Wunschtraum, den Jesajas Phantasie geboren hat.
Sondern Gottes Verheißung, die er seinem Volk und uns verspricht.

Wir feiern heute den Sonntag Lätare.
Inmitten der Passionszeit, die vom Leiden geprägt ist,
von Schuld und vom Gang Jesu an das Kreuz,
ist Lätare ein Vorgeschmack auf die Auferstehung, auf Ostern.

An Ostern erleben und feiern wir, dass Jesus auferstanden ist.
Die Auferstehung ist ebenso unglaublich wie die Vision, die Jesaja uns beschreibt.
Und doch ist es geschehen: Jesus ist auferstanden.
Seine Auferstehung bürgt dafür,
dass Jesajas Worte nicht nur Worte sind, keine Utopie,
sondern eine Vision, die beginnt, Wirklichkeit zu werden.

VI

Bleibt noch eins: Warum ist es Jerusalem, warum ist es eine Stadt,
die Jesaja als Mutter beschreibt?
Warum ist nicht Gott selbst die Mutter,
die uns mit allem erfüllt, was wir zum Leben brauchen?

Weil wir Gott nicht besitzen und nicht über Gott verfügen können.
Schon ein Säugling erlebt, dass er seine Mutter nicht immer zur Verfügung hat.
Wenn es gut geht, dann wird die Liebe seiner Eltern
zu einem unzerstörbaren Teil seiner Persönlichkeit,
auf die er sich ein Leben lang verlassen,
von der er ein Leben lang zehren kann.

Durch den Glauben wird Gottes Liebe ebenso ein unzerstörbarer Teil unseres Ich,
auf die wir uns ein Leben lang verlassen können und die uns durchs Leben trägt.
Aber es braucht eben den Glauben:
Das Vertrauen auf und Festhalten an Gottes Zusage.

Es ist die Stadt, der Ort,
an dem Menschen aus aller Welt zusammenkommen,
die uns mit Lebendigkeit erfüllt.
Wir gestalten diese Stadt, wir erfüllen sie mit Leben,
weil es uns nicht genügt, dass es uns gut geht,
aber allen anderen nicht.

Und weil wir einander daran erinnern,
dass Gott uns sein Wort gegeben hat und uns über alles liebt -
so, wie uns die Fotos und die Erzählungen
unserer Eltern und Großeltern daran erinnern,
dass wir das Glück und der Augenstern
unserer Eltern waren und sind.

Sonntag, 1. März 2026

Abhängigkeit

Predigt an Reminiszere, 1.3.2026, über Römer 5,1

Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben,
haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.

Liebe Schwestern und Brüder,

wir haben Frieden mit Gott, schreibt Paulus.
Das ist ein schöner Satz, und ein tröstlicher Gedanke.
Frieden ist etwas Gutes und Erstrebenswertes.
Etwas, von dem alle beteuern, dass sie ihn wollen -
auch und besonders die, die wenig später
ein anderes Land mit Krieg überziehen.

Gerade erfahren wir wieder einmal,
wie leicht Friede gebrochen werden kann,
und wie schwer er wieder zu gewinnen ist.
Friede ist eben nicht nur eine Pause vom Krieg
oder das Versprechen zweier Staaten,
sich nicht gegenseitig anzugreifen.

Im Gegenteil: Friede ist eine hoch komplexe Angelegenheit,
die viel mit dem Ausgleich von Interessen zu tun hat.
Mit gegenseitigem Respekt vor den jeweiligen Eigenheiten
und dem Vertrauen auf die guten Absichten des anderen.
Ein Vertrauen, das nicht mit Worten,
sondern durch Haltung und Taten gerechtfertigt wird.

Friede braucht Zeit, in der solches Vertrauen wachsen kann.
Er braucht Gespräche und Verhandlungen auf Augenhöhe,
Anerkennung der jeweiligen Interessen
und das ernsthafte Bemühen um eine Lösung,
die für beide Seiten annehmbar ist,
weil sie beiden Seiten Vorteile und Sicherheit bringt.

Wir Deutschen haben Erfahrung damit. Sowohl mit dem Krieg,
als auch mit dem mühsamen und langwierigen Prozess des Friedens.
Das, was wir heute Europa nennen, ist das Ergebnis dieses Prozesses.
Seit 80 Jahren leben wir in Europa in Frieden miteinander.
Die Interessen zwischen den Staaten sind ausgeglichen.
Es herrscht ein grundsätzliches Vertrauen,
es gibt Respekt voreinander und Verständnis füreinander.

Die EU ist das Ergebnis der Suche nach Frieden.
Sie entstand durch Gespräche und langwierige Verhandlungen,
durch das Bemühen um Verständigung, durch Begegnungen.
Und auch durch das Eingeständnis der Schuld.
Die EU ist der Beweis dafür, dass ein gerechter Friede möglich ist,
und ein Beispiel, wie viel Zeit und Engagement der Friede braucht.

II

Wir haben Frieden mit Gott, schreibt Paulus.
Diesen Frieden können nicht wir uns zugute halten.
Kein Verhandlungsgeschick, kein Interessenausgleich
haben diesen Frieden bewerkstelligt.
Selbst der Präsident der Vereinigten Staaten
mit all seinen Waffen, all seiner wirtschaftlichen Macht
könnte Gott nicht zum Frieden zwingen.

Der Friede zwischen Gott und uns kam auf eine Weise zustande,
die das komplette Gegenteil zu dem darstellt,
wie wir Frieden sichern und erhalten wollen:
Wir vertrauen auf Frieden durch Rüstung.
Sie soll uns vor einem möglichen Angriff schützen,
weil, so die Theorie, ein Angriff mit so großen Verlusten
für den Angreifer verbunden wäre, dass er sich für ihn nicht rechnet. 

Unser Friede mit Gott kam zustande,
weil Jesus auf Rüstung und Gewalt verzichtete.
So widerfuhr ihm, was jede:r erlebt,
die|der sich nicht schützt und nicht wehrt:
Jesus erlitt Willkür, Gemeinheit, Bosheit und Gewalt.
Er starb einen qualvollen Tod am Kreuz.
Aber eine Macht, stärker als alle menschliche Macht,
besiegte den Tod und holte ihn zurück ins Leben.
Diese Macht ist Gottes Allmacht: Seine allmächtige Liebe.

Dieser allmächtigen Liebe Gottes hatte Jesus vertraut,
und dieses Vertrauen bot er den Menschen an.
Er lud sie ein, auf Gott, auf die Liebe zu setzen,
nicht auf Waffen, Geld oder Macht.
Er lud sie ein, sich von Gott in seinen Frieden,
sich von Gottes Macht aus dem Tod ins Leben holen zu lassen.

Nur wenige nahmen seine Einladung an.
Vor allem arme Schlucker, wie die Fischer am See Genezareth;
Kämpfer für die Freiheit, Zeloten genannt, wie ein gewisser Kephas
oder die „Donnersöhne” Jakobus und Johannes;
Menschen am Rande der Gesellschaft wie Maria von Magdala. 

Andere hatten kein Interesse an dieser Einladung.
Sie waren satt. Sie hatten alles, was sie brauchten.
Für sie funktionierte die Gesellschaft.
Und auch ihr Verhältnis zu Gott war geregelt.
Aber dieses Verhältnis war Konvention, nicht Notwendigkeit.
Was sie brauchten, verschafften sich diese Menschen selbst;
Gott brauchten sie für ihr Leben nicht.

III

Wir haben Frieden mit Gott, schreibt Paulus.
Dann muss es eine Zeit gegeben haben,
in der zwischen Gott und uns kein Friede herrschte.
Wenn das Gottesverhältnis nicht von Frieden bestimmt ist, wovon dann?
Was war, bevor wir Frieden mit Gott hatten?

Für den Frieden zwischen Staaten
ist ein Ausgleich der Interessen nötig,
gegenseitiger Respekt und gegenseitiges Vertrauen.
Ein solches Verhältnis schafft Abhängigkeiten.
Kein Staat kann heutzutage Alleingänge unternehmen -
es sei denn, er bricht mit den Regeln der Staatengemeinschaft
und kann seinen Willen militärisch durchsetzen.

Auch wir sind voneinander abhängig.
Nicht nur als Kinder von unseren Eltern
oder als alt gewordene Menschen von unseren Kindern.
Wir wollen diese Abhängigkeiten nicht wahr haben.
Unser Selbstbild ist davon bestimmt,
dass wir unser Leben gestalten,
selbst über unser Schicksal entscheiden.
Durch Leistung und Fleiß kann man es zu etwas bringen, heißt es.
Wer seine Ziele nicht erreicht, hat sich bloß nicht genug angestrengt.

In diesem Selbstbild des Self-made-man
oder der Self-made-woman hat Gott keinen Platz.
Jedenfalls nicht der lebendige Gott in seiner allmächtigen Liebe.

Das ist kein regelrechter Krieg gegen Gott.
Aber es ist die Verweigerung einer wirklichen Beziehung,
die Gott nicht wie ein Maskottchen behandelt,
sondern ihm den Respekt entgegenbringt, der ihm gebührt.

Bevor wir Frieden mit Gott hatten,
befanden wir uns in einer Art Niemandsland.
Wir glaubten nur an uns, unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten.
Dadurch gelangten wir nicht über uns selbst hinaus.
Lebten nicht in einer wirklichen Beziehung zu unseren Mitmenschen.
Lebten nicht in einer wirklichen Beziehung zu Gott.

IV

Frieden mit Gott besteht - analog zum Frieden zwischen Staaten - darin,
dass wir in Abhängigkeit von Gott leben
und uns unsere Abhängigkeit eingestehen.
Diese Abhängigkeit ist kein Makel,
den man möglichst schnell beseitigen müsste.
Sie ist das Wesen des Friedens,
wie sie das Wesen jeder Beziehung ist.

Unsere Beziehung zu Gott
wird in der Sprache der Bibel so beschrieben,
dass wir Geschöpfe sind, nicht Schöpfer.
Wir schaffen nicht selbst etwas,
sondern erfahren Gottes Wirken an uns.
Als Geschöpfe sind und bleiben wir mit dem verbunden,
der uns das Leben gab,
uns die Kraft zum Leben gibt
und uns durch seine allmächtige Liebe in ein neues Leben rufen wird.

In diese Beziehung zu Gott hat uns Christus eingeladen,
und wir haben uns einladen lassen.
Wir haben uns von Gott mit seiner Liebe beschenken lassen
und darauf verzichtet, selbst etwas dazu beizutragen.
Darin besteht unsere Gerechtigkeit.

Gerechtigkeit ist also nicht
ein Leben nach dem Willen und den Geboten Gottes.
Das wäre wieder eine Leistung, die wir erbringen,
kein Geschenk, das wir aus Gottes Hand annehmen.

Unsere Gerechtigkeit besteht darin,
uns das Leben von Gott schenken zu lassen.
Alles andere - der Glaube, das Leben nach den Geboten -
folgt daraus ganz von selbst.