Montag, 12. Februar 2018

Sonntagspflicht

Predigt am Sonntag Estomihi, 11.2.2018, über Amos 5,21-24
(Gehalten im Gottesdienst zur Verabschiedung aus den Kirchgemeinden Neudietendorf und Ingersleben)
Gott spricht:
Ich hasse und verabscheue eure Feste
und kann eure Festversammlungen nicht ausstehen.
Denn wenn ihr mir Brandopfer darbringt
und Speiseopfer, gefällt mir das nicht,
und Opfermahlzeiten von euren Mastkälbern
sehe ich mir nicht an.
Tut weg von mir das Lärmen eurer Lieder;
das Geklimper eurer Harfen will ich nicht hören.
Aber das Recht soll sich wie Wasser fortwälzen
und Gerechtigkeit wie ein gewaltiger Schwall.
(Eigene Übersetzung)

Liebe Schwestern und Brüder,

wäre es möglich, dass Gott etwas gegen den Gottesdienst hat?
Das klingt paradox, schließlich machen wir das alles hier doch nur um Gottes willen - oder? Aber so abfällig, wie Gott sich durch Amos über Feste und Festversammlungen, über Opfer und Opfermahlzeiten äußert, so heftig, wie er Lieder und Musik verabscheut, kann es eigentlich nur einen Schluss geben: Gott hat etwas gegen den Gottesdienst!

Aber doch nicht etwa gegen unseren heute‽
Gottes Kritik richtet sich gegen die Opferfeiern zu Amos’ Zeit, das ist weit über zweieinhalbtausend Jahre her. Stellen Sie sich das mal vor: Als sich die Apfelstädt noch durch unberührte Wälder und Auen schlängelte und sich hier, wo die Johanniskirche steht, Fuchs und Hase Gute Nacht sagten;
als Gotha noch an keinem „Fluss“ lag und keine Wildsau auf den Gedanken gekommen wäre, dass anstelle der Eiche, an der sie sich rieb, einmal ein Augustinerkloster stehen könnte: Da zerbrach man sich in Israel schon den Kopf darüber, ob Gott die Gottesdienste eigentlich gefielen, die man seinetwegen feierte. D.h., nicht „man“ zerbach sich den Kopf. Es war eigentlich nur einer, Amos, ein Schafzüchter, der sich plötzlich dazu berufen sah, im Auftrag und Namen Gottes den Gottesdienst zu kritisieren.

I. Zum Glück werden bei uns in der Johanniskirche keine Tiere mehr geschlachtet, wie es damals in den Tempeln üblich war. Zum Glück veranstalten wir keine ausschweifenden Gelage im Gottesdienst, sondern feiern bescheiden mit einem trockenen Stückchen Oblate und einem Schlückchen Wein das Abendmahl. Unsere Lieder sind schön und modern, die Orgelmusik von allererster Güte. Uns kann Amos’ Kritik nicht meinen, uns kann sie nicht treffen.

Aber vielleicht geht es Gott gar nicht um eine bestimmte Form des Gottesdienstes, die ihm nicht gefällt. Vielleicht geht es Gott ums Prinzip. Können wir uns sicher sein, dass Gott mit unserer heutigen Art, Gottesdienst zu feiern, einverstanden ist? Dass er sich freut, wenn wir sonntags zusammenkommen, dass ihn unser Reden, Beten und Singen freuen? Wie können wir das überhaupt wissen, wie könnten wir es feststellen?

Ein Schritt zu einer Antwort könnte das Nachdenken darüber sein, was Gottesdienst eigentlich ist.
Ganz schlicht gesagt: Gottes-Dienst ist ein zusammengesetztes Hauptwort aus den Nomen „Gott“ und „Dienst“, wobei „Gott“ im Genitiv steht, also den bezeichnet, für den der Dienst getan wird.
Das Wort „Gottesdienst“ sagt also, dass das, was wir hier tun, für Gott geschieht. So, wie man beim Militärdienst der Armee dient, beim Zivildienst in zivilen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Pflegeheimen arbeitete.

II. Das, was wir im Gottesdienst tun, geschieht für Gott. Das ist einem gar nicht so bewusst. Man geht doch allgemein davon aus, dass der Gottesdienst für die Gemeinde stattfindet, um ihretwillen und sozusagen ihr zuliebe gefeiert wird. Deshalb sind manche Gemeinden enttäuscht, dass bei ihnen der Gottesdienst nicht mehr so häufig stattfindet wie früher. Und manche Pfarrer*in ist enttäuscht, wenn nur wenige kommen, weil sie sich doch um der Gemeinde willen so viel Mühe mit ihrem Gottesdienst gegeben hat. Beide, die Gemeinde und die Pfarrer*in, gehen von dem Missverständnis aus, der Gottesdienst sei für die Gemeinde da - dann müsste er allerdings „Gemeindedienst“ heißen.
Heißt er aber nicht.

Das, was wir im Gottesdienst tun, tun wir für Gott. Aber was tun wir eigentlich genau? Wir sitzen oder stehen auf; wir singen, sprechen, vor allem hören wir zu. Alles Tätigkeiten, die man für sich tut. Kein Wunder, dass wir meinen, das alles hier geschähe um unsretwillen. Wir sprechen und singen zwar gemeinsam - und würden das wohl kaum tun, wenn wir allein wären. Wir tun es für uns, weil es uns Freude macht; weil es uns etwas gibt; weil es schön ist. Wenn es das nicht ist, kommt man nicht wieder. Das nennt man „mit den Füßen abstimmen“.

Wir tun aber noch etwas anderes im Gottesdienst, was uns selten bewusst wird: Wir sitzen neben einer/ einem Anderen. Oder setzen uns bewusst nicht neben eine*n Andere*n. Wir lächeln oder sprechen uns an, wir reagieren aufeinander. Wir sind Gemeinde,  d.h. für diese Stunde in der Kirche mehr als eine und noch eine und noch eine …

Dieses Gemeinsame, das uns so selten bewusst wird, ist enorm wichtig. Denn den fehlenden Gemeinsinn kritisiert Gott, wenn Amos Gottes Abscheu vor den damaligen Gottesdiensten formuliert. Aber davon abgesehen ist, so behaupte ich, das Gemeinsame der wesentliche Grund, warum man überhaupt in den Gottesdienst kommt. Es sind nicht so sehr die fesselnde, lebendige Predigt, die virtuose Orgelmusik oder die Schönheit der Kirche, die Menschen in den Gottesdienst einladen. Es ist in erster Linie und vor allem die Gemeinde, die einlädt - oder abstößt.

III. Die Gemeinde ist nicht nur der Hauptgrund, zum Gottesdienst zu kommen oder ihm fernzubleiben. Sie ist auch der Grund, weshalb wir überhaupt Gottesdienst feiern. Der Gottesdienst ist keine Veranstaltung, keine Show, die zu unserer Unterhaltung oder Erbauung aufgeführt wird. Es geht im Gottesdienst nicht um mich, sondern --- ja, klar, um Gott. Aber was bedeutet das?

Bei Amos kritisiert Gott den fehlenden Gemeinsinn. Im Kontrast zu den fröhlichen Feiern, den üppigen Festmählern und der ausgelassenen Musik schreit das Unrecht zum Himmel, für das die Feiernden verantwortlich sind.
Gottesdienst ist ein Liebesdienst - nicht der Pfarrerin an der Gemeinde, sondern aller, die den Gottesdienst feiern, an Gott. Ein Liebesdienst an Gott kann aber nur ein Dienst der Liebe an den Mitmenschen sein. Das hat Jesus uns gelehrt. Wenn wir Gottesdienst feiern, feiern wir ihn nicht für uns. Wir feiern ihn für die Anderen. D.h. man geht nicht in den Gottesdienst, weil die Pfarrerin so nett ist, die Musik so schön und die Kirche gut geheizt. Man geht in den Gottesdienst, weil es unsere Pflicht ist.

- Oh, das Wort „Pflicht“ hört man nicht gern, schon gar nicht in kirchlichen Kreisen. Hier ist alles freiwillig. Sonntagspflicht, die gab es früher einmal. Da musste man jeden Sonntag in die Kirche. Diese Zeiten sind - Gott sei Dank! - vorbei. Ich will Ihnen aber sagen, warum ich meine, dass es trotzdem eine Sonntagspflicht gibt. Dazu drei kurze Vorüberlegungen:

1. Paulus spricht von der Gemeinde als dem „Leib Christi“. Das meint: Die Gemeinde ist der inkarnierte, der Leib gewordene Christus. Nicht in dem Sinne, dass Sie, oder Sie, oder ich Christus wären. Sondern wir alle, und nur wir alle gemeinsam, verkörpern Christus. Will sagen: Durch die Freundlichkeit, Geduld, Zuwendung und Aufmerksamkeit, die wir einander schenken, kann nach außen deutlich werden, was und wie Christus für uns ist. Gottes Freundlichkeit vermitteln wir nicht, wenn wir patzig sind. Gottes Vergebung kann kaum erfahren werden,  wenn man uns als nachtragend und unversöhnlich erlebt.

2. Weil andere durch unser Verhalten erfahren können, wie gut und liebevoll Gott ist, und weil es die „Message“ von Jesus war, Gottes Güte und Liebe zu verkündigen, werden wir zu vicarii Christi, zu Stellvertretern Christi auf Erden. In der römisch-katholischen Kirche ist das ein Ehrentitel und eine Aufgabe des Papstes. Er ist vicarius Christi, Stellvertreter Christi auf Erden. In unserer Evangelischen Kirche haben wir alle diesen Ehrentitel. Wir alle verkünden an Christi statt die Versöhnung, die Liebe Gottes und die Nähe seines Reiches.

Die Nähe des Reiches Gottes zeigt sich darin, dass Erste Letzte und Tränen abgewischt werden. Dass Kranke und Gefangene besucht, Hungernde gespeist, Nackte bekleidet, Fremde willkommen geheißen werden und dass Menschen Recht erhalten und Gerechtigkeit erfahren - durch uns. Darum geschieht Verkündigung nicht nur mit Worten, sondern auch und in erster Linie durch Taten. Wir alle verkündigen - auch und gerade dadurch, wie wir Gemeinde sind, wie wir als Gemeinde miteinander umgehen, wie wir mit Menschen umgehen, die neu in die Gemeinde, in den Gottesdienst kommen.

3. Der/ die Andere, für die wir den Gottesdienst feiern, ist deshalb nicht nur die Freund*in, die Bekannte, neben der ich gern sitze. Der/ die Anderen waren für Jesus vor allem die, die von allen anderen ausgegrenzt wurden: Fremde. Schuldig Gewordene.  Gehandicapte, Kranke, wegen ihres Aussehens Gemiedene. Leute, die aus der Gemeinde geworfen worden waren. Leute, die sich moralisch anstößig verhalten hatten.
Die Anderen sind die, die man - oft im wahrsten Sinne des Wortes - nicht riechen kann. Die Anderen sind immer wieder eine Herausforderung an uns, den Kreis nicht zu klein zu ziehen, „Gemeinde“ nicht zu eng zu denken und uns immer wieder fragen zu lassen, ob wir jemanden übersehen - oder gar nicht erst sehen wollen.

IV. Wenn wir das, was Jesus vorlebte, ernst nehmen wollen, und wenn wir ernst nehmen wollen,
dass Gott keine Freude an schönen Feiern hat, an geputzten und renovierten Kirchen, an ordentlich gewarteten Läuteanlagen und Orgeln, sondern sich freut, wenn Recht und Gerechtigkeit sprudeln, dann haben wir die Pflicht, sonntags in den Gottesdienst zu gehen.
Hier, in der Gemeinde, repräsentieren wir für Andere Christus. Hier, in der Gemeinde, sind wir Stellvertreter*innen Christi, die er ausgesandt hat, die Nähe des Gottesreiches in Wort und Tat zu verkündigen. Hier, in der Gemeinde, versuchen wir, einander anzunehmen, wie Christus uns angenommen hat, zu Gottes Lob.
Wir haben die Pflicht, sonntags in den Gottesdienst zu gehen, weil die Anderen uns brauchen und Gemeinde ohne uns nicht geht.

Nun kann man sagen, und das sagen sich offenbar viele: Es gibt doch welche, die zur Kirche gehen, da braucht es mich doch nicht! Das ist das Schöne an der Gemeinde, dass es auch mal ohne mich geht. Aber es ist wie beim Tandemfahren: Es müssen beide treten. Wenn eine*r immer die Füße hochnimmt, hat die andere bald keine Lust mehr am Radeln.

Der Gottesdienst ist keine Veranstaltung; ihn zu feiern, keine Frage des Angebots, der Lust oder der Tagesform. Er ist eine Pflicht, weil die Anderen Sie brauchen und ein Recht auf Sie haben.

V. Gottesdienst als Pflicht - das ist doch das Letzte! Damit lockt man doch niemanden in die Kirche, damit schreckt man auch die letzten Willigen noch ab! Man will doch, bei aller Liebe, auch etwas für sich haben, wenn man sich schon sonntags aus dem Bett oder vom Sofa hochquält. Was hat man denn noch vom Gottesdienst, wenn er eine Pflicht ist?

Vergessen Sie nicht: Auch Sie sind ein*e Andere. Auch ich bin ein Anderer. So, wie ich für die Anderen zum Gottesdienst komme, damit die Gemeinde entstehen kann, der Leib Christi, durch den Gottes Liebe erfahren werden kann, so kommen die Anderen meinetwegen, damit mir durch sie und in ihnen Christus begegnen kann. Dazu reichen zwei oder drei, das hat Jesus versprochen. Aber schöner und glaubensstärkender ist es doch, wenn es zwanzig oder dreißig sind …

Die Anderen, die zum Gottesdienst kommen, vergewissern mich, dass ich von Gott angenommen bin,
indem sie versuchen, mich anzunehmen - wenigstens für diese eine Stunde.
Sie vergewissern mich, dass Gott mir vergeben hat, indem sie versuchen, mir zu vergeben - wenigstens diese eine Stunde.
Sie vergewissern mich, dass Gottes Angesicht über mir leuchtet, indem sie mir ein freundliches Gesicht zeigen - dass ist viel leichter, als man denkt! 
So stärken Sie meinen Glauben und meine Hoffnung. So erweisen wir einander Taten der Liebe. Das ist doch mehr als genug - finden Sie nicht?

Dienstag, 9. Januar 2018

„daneben“ gepredigt

Predigt am 2. Sonntag nach Epiphanias, 14.1.2018, über 1.Korinther 2,1-10:

Als ich zu euch kam, liebe Geschwister,
kam ich nicht, um euch das Geheimnis Gottes 
mit überlegener Beredsamkeit oder Weisheit zu verkündigen.
Denn ich bildete mir nicht ein, bei euch etwas zu wissen
außer Jesus Christus, und den als Gekreuzigten.
Ich war bei euch in Schwäche, Furcht und Zittern.
Und mein Reden und Predigen geschah nicht mit überzeugenden Worten,
sondern durch den Beweis des Geistes und der Kraft,
damit euer Glaube sich nicht menschlicher Weisheit,
sondern Gottes Kraft verdanke.

Für die Vollkommenen ist es Weisheit, was wir sagen.
Nicht die Weisheit dieser Welt,
noch der Herren dieser Welt, die abtreten.
Sondern wir reden von Gottes Weisheit im verborgenen Geheimnis.
Gott hat es vor aller Zeit zu unserer Verherrlichung bestimmt.
Keiner der Herren dieser Welt erkannte es.
Denn hätten sie es erkannt, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt.
Aber es geschah, wie die Schrift sagt:
     „Was kein Auge je sah und kein Ohr je hörte
     und niemandem je in den Sinn kam,
     das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben.“ (Jesaja 64,3)
Uns aber hat Gott es durch den Geist offenbart.
Denn der Geist erforscht alles, sogar die Tiefen der Gottheit.
(Eigene Übersetzung)

Liebe Schwestern und Brüder,

die Worte des Paulus klingen wie ein Rückblick.
Wie der Rückblick eines Pfarrers auf seine Tätigkeit in der Gemeinde,
speziell auf seine Predigten.

Auf eigenartige Weise passt dieser Text zu den heutigen Situation:
Hier steht ein Pfarrer, der im Begriff ist, zu gehen.
Unwillkürlich blickt man in einem solchen Moment zurück:
Was ist gewesen, was hat man getan, was hat man erreicht?

Aber wie um solch notgedrungen wehmütigem Rückblick einen Riegel vorzuschieben,
spricht Paulus nicht von sich, sondern vom Geheimnis.
Es geht auch beim Rückblick auf seine Tätigkeit in Korinth nicht um ihn.
Es geht nicht um mich, was ich getan und geleistet,
was ich versäumt, wo ich versagt habe.
Immer und zu jeder Zeit geht es nur um das Geheimnis Gottes.

I. Dieses Geheimnis hat nur insofern etwas mit Paulus zu tun,
als er davon gesprochen, es gepredigt hat.
Aber hier kommt schon die nächste Einschränkung:
Von einem Geheimnis kann man nicht sprechen.
Sonst wäre es ja kein Geheimnis.
Es liegt in der Natur eines Geheimnisses,
dass man nicht davon reden kann.
Weder durch überlegene Beredsamkeit noch durch überlegene Weisheit
lässt sich das Geheimnis erklären.
Der Philosoph Ludwig Wittgenstein hat am Ende, sozusagen als Resumeé,
eines grundlegenden Buches den Satz geschrieben:
„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ (Tractatus, Satz 7)
Bedeutet das, dass die wirklich wichtigen Dinge unaussprechbar sind?
Aber was man nicht sagen, nicht aussprechen kann,
das kann auch nicht zu Erfahrung werden,
das kann man nicht wissen
und auch nicht verstehen.
Wir brauchen Worte, um zu begreifen, was geschehen ist – auch beim Glauben.

Andererseits gibt es Momente, da ist jedes Wort zuviel.
Mir fällt eine Filmszene ein, wo er ihr seine Liebe gestehen will.
Aber sie legt ihm den Finger auf die Lippen,
und dann küssen sie sich.
Ein Kuss sagt mehr als tausend Worte.
Aber mit einem Kuss kann man nicht alles sagen, nur: Ich liebe dich.

Doch dieses Beispiel zeigt auch, dass da, wo unsere Worte enden,
unsere Möglichkeiten noch nicht am Ende sind.
Wovon man nicht sprechen kann, das kann man vielleicht tun.
Irgendwann endet das Nachdenken des Philosophen.
Dann steht er auf, streckt sich und kocht sich einen Kaffee,
gießt die Blumen oder geht eine Runde mit dem Hund.
Irgendwann endet jede Predigt.
Dann wird wieder etwas getan – gesungen, gebetet oder nach Hause gegangen.

II. Wenn man gesprochen hat, muss man etwas tun.
Denn die Worte dessen, der predigt, werden an seinen Taten gemessen.
Nicht umsonst gibt es das Sprichwort von den Pfarrern,
die Wasser predigen und Wein saufen.
Das, was man anderen predigt, 
muss mit dem Leben des Predigenden in Zusammenhang stehen.
Man kann nicht von anderen verlangen,
was man selbst nicht zu tun bereit ist.

Paulus legt da die Latte ganz besonders tief.
Er war nicht nur kein beeindruckender Redner,
sondern auch noch schwach, ängstlich und nervös.
Nicht gerade ein Pfarrer, zu dem man aufblicken, den man bewundern kann.
Gerade bei den Pfarrerinnen und Pfarrern zeigen sich Schwächen besonders deutlich.
Kein Wunder – sie stehen wenigstens einmal in der Woche vor der Gemeinde,
ihren kritischen Blicken und Ohren ausgesetzt.
Und auch sonst verfolgt man aufmerksam und kritisch,
was die Pfarrerin, der Pfarrer tut oder nicht tut.
Und da, wo es möglich ist, stimmt die Gemeinde „mit den Füßen ab“:
Man geht eben lieber zu einer Pfarrerin, die gut predigt,
die etwas zu sagen hat, freundlich und sympathisch ist.
So wird der Gottesdienst zu einer Veranstaltung,
einer Veranstaltung der Pfarrerin oder des Pfarrers,
statt Sache der ganzen Gemeinde zu sein.
Dann ist es auf einmal nicht entscheidend, 
dass zwei oder drei im Namen Jesu versammelt sind.
Man schaut plötzlich auf die Zahlen und vergleicht:
Wie viele waren es voriges Jahr, wie viele sind es dieses Jahr?
Wie viele sind es bei der, wie viele bei dem?
Wie viele kommen an Weihnachten, wie viele am 19. nach Trinitatis?

Paulus aber ist klein, macht sich klein, damit ein anderer groß werden kann: Gott.
Denn Glaube kommt nicht durch Überlegung oder Überzeugung zustande.
Und wenn der Glaube an den Worten oder der Person einer Pfarrerin oder eines Pfarrers hinge,
wäre es schlimm und ihn bestellt, sobald dieser Pfarrerin oder dieser Pfarrer -
was unweigerlich geschehen muss – jemanden enttäuscht.

III. Glaube verdankt sich nicht menschlicher Weisheit oder Predigtkunst,
sondern Gottes Kraft.
Aber wie geht das?
Wie kommt es dazu, dass ein Geheimnis, über das man nicht sprechen kann,
einem plötzlich einleuchtet, er-leuchtet und ergreift?

Eben das kann man nicht „machen“.
Es widerfährt einem als einzigartiges und einmaliges Ereignis.
Es ist ein Wunder oder, wie Paulus sagt,
ein „Beweis des Geistes und der Kraft“ Gottes.

Wenn wir uns an den Filmkuss erinnern,
lässt sich vielleicht eine Ähnlichkeit herstellen 
zwischen dem Kuss und dem Wunder des Glaubens.
Ein solcher Kuss „passiert“.
In Wirklichkeit ist er nicht geplant und inszeniert wie der Filmkuss,
sondern er ist ganz plötzlich da:
Der Moment, wo zwei sich einen Kuss schenken möchten,
weil er allein sagen kann, was jetzt zu sagen ist.

Wie für einen Kuss, so sind auch für den Glauben zwei nötig:
Gott und die, die glaubt.
Wann und wo die zwei sich begegnen, kann man nicht wissen.
Er ist ganz plötzlich da, der Moment,
in dem der Glaube eine ergreift und dann nicht mehr loslässt,
auch durch Ungewissheit und Zweifel hindurch nicht loslässt.

Es ist der Moment, in dem einer das Geheimnis einleuchtet.
Denn das Geheimnis ist ja gar kein Geheimnis.
Es liegt offen zutage:
„Wir verkünden Jesus Christus,
und den als Gekreuzigten“.
Weil es der Gekreuzigte ist, ist es ein offenes Geheimnis:
Jeder kann es sehen, aber niemand sieht hin.
Weil es einfach zu blöd ist, an so jemanden zu glauben.
Weil Vernunft und jegliche Überlegung lehren,
dass Schwäche keine Stärke ist
und ein Opfer – selbst das Opfer Jesu am Kreuz – niemandem nützt.
Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt oder kommt an den Herd,
wird jedenfalls niemals etwas erreichen.

Auf der anderen Seite kann es ja nicht sein,
dass der bloße Glaube an Jesus genügt.
Es können doch nicht alle gerettet werden,
jedenfalls nicht alle Verbrecher und Ungläubigen und die, die man nicht leiden kann.
Glaube kann doch nicht so kinderleicht,
Gnade kann doch nicht so billig sein!
Etwas kosten muss es schon, Christin oder Christ zu sein.
Wenn schon keine Kirchensteuer,
dann wenigstens Zeit und Engagement,
wunde Knie vom Beten, wunde Füße vom Pilgern.

IV. Das Geheimnis Gottes bleibt für die meisten Geheimnis,
weil es so offensichtlich allem widerspricht,
was man denkt, für gut und vernünftig hält.
Es bleibt auch darum für die meisten Geheimnis,
weil es von Leuten verkündigt wird,
die selten vorbildlich und überzeugend,
dafür so oft so enttäuschend menschlich sind:
Von Pfarrerinnen und Pfarrern.
Pfarrerinnen und Pfarrer, die sich allsonntäglich mühen
mit ihrer Predigt und ihrem Gottesdienst,
und die Sonntag für Sonntag damit scheitern,
weil man über das Geheimnis Gottes dummerweise nicht sprechen kann.
Und die gerade in ihrem Scheitern und ihrem menschlich- allzu-menschlich-Sein
dem Geheimnis die Möglichkeit geben, sich zu enthüllen.

Douglas Adams, der Autor einer sechsbändigen Science-Ficiton-Trilogie,
hat das Fliegen einmal beschrieben als „daneben-Fallen“:
Wenn man zu tolpatschig zum Fallen ist und, sozusagen, beim Fallen stolpert,
hebt man plötzlich ab und – fliegt.
Dieses absurde Bild soll zeigen,
dass Wunder nicht machbar, aber möglich sind.
Voraussetzungen sind, dass etwas Unwahrscheinliches eintritt
und dass man mit seinen Gedanken gerade woanders ist.

So ereignet sich auch der Glaube nicht wegen,
sondern trotz derer, die ihn verkündigen.
Er ist, um im Bild zu bleiben, das Ergebnis des daneben-Verkündigens,
oder, auf Seiten der Gemeinde, des daneben-Hörens:
Mit einem Mal ergeben die Worte einen Sinn,
man hebt ab und – fliegt.

V. Paulus blickt zurück.
Dieser Rückblick ist zugleich ein Ausblick.
Denn Paulus spricht nicht davon, was er alles geleistet hat
und was den Korinthern nun, wo er nicht mehr bei ihnen ist, fehlt.
Sondern er erklärt ihnen,
wie der Glaube funktioniert
und dass er ohne Paulus funktioniert.
Er erklärt ihnen, dass sie in Glaubensdingen Vollkommene sind,
die verstanden haben, was Paulus ihnen sagen wollte,
und es nun selbst weitersagen können.

Hier ist nicht ein Glaubensexperte und soundsoviele Dummies,
denen man das mit dem Glauben erst erklären muss.
Sondern wir sind alle Vollkommene in unserer Unvollkommenheit und Unfähigkeit,
weil unsere Unvollkommenheit und Unfähigkeit die Voraussetzung dafür ist,
dass Gottes Kraft in uns mächtig werden kann.
Gottes Kraft zeigt sich uns als Gottes Geist,
durch den Gott uns sein Geheimnis offenbart:
Jesus Christus, und der als Gekreuzigter.

Amen.

Freitag, 5. Januar 2018

20 * C + M + B + 18

Texte für einen Familiengottesdienst an Epiphanias

Musik zum Eingang

Die Weisen:
C ist ein fröhlicher, unbeschwerter Typ, ein „Scherzkeks“
M weiß alles (und alles besser), Typ „Lehrer“
B ist düster und pessimistisch; für ihn ist das Glas immer halb leer
Die Spieler*innen sind nicht verkleidet, tragen allenfalls Umhang oder Albe. 

Für den Gottesdienst müssen Kreidestückchen in der Anzahl der Gottesdienstbesucher vorbereitet werden. Die im Spiel erwähnte Anleitung findet sich hier.


1. Die Weisen ziehen ein
C, M und B kommen durch den Mittelgang nach vorn.

C Na, da sind wir ja!

M Hier sind wir genau richtig!

B Aber welches von den Kindern ist das Richtige?

C Ihr seid ja so viele!

M Es ist nicht zufällig eine von euch eine Königstochter oder einer ein Königssohn?

B Das hatte ich befürchtet.
Wir sind hier falsch.

M Das kann ja gar nicht sein!
Da ist doch der Stern! (zeigt auf den Stern)

B Na, und? Sterne gibt es viele …

C (zu M) Schau dir die vielen Leute an. Die haben alle auf uns gewartet!

M Wir sollten uns vielleicht erst einmal vorstellen.
Die wundern sich doch bestimmt, wer wir sind!
Also, ich bin Melchior.

C Kaspar.

B Und Balthasar.
Wir sind hier falsch.

M Nein, sind wir nicht.
Wir sind gekommen, um zu beten.
Und das hier ist eine Kirche.
Wir sind hier genau richtig!

C Wir folgten dem Stern. Aber das wisst ihr sicher.

M Es kann nicht schaden, wenn wir es nochmal erzählen …

B Nein, bitte nicht!
Lass es uns lieber singen - und ihr singt alle mit:


Lied: Stern über Bethlehem

2. Wer die Weisen sind

M Wir sollten uns noch besser vorstellen.

B Meinst du, unsere Schuhgröße, wann wir geboren sind und so?

M Nein, natürlich nicht!
Aber die Leute hier wissen doch gar nicht, was wir machen.

C Manche halten uns für Astrologen, für Sterndeuter,
weil wir dem Stern gefolgt sind.

B Sind wir aber nicht.

M Manche meinen, wir wären Weise, Wissenschaftler,
weil wir so viel in Büchern und der Heiligen Schrift lesen.

B Sind wir aber nicht.

C Manche meinen, wir wären Könige,
weil wir dem Kind Gold, Weihrauch und Myrrhe schenkten.
So kostbare Geschenke kann sich nur ein König leisten.

B Sind wir aber nicht.

C Könnten wir aber sein.

B Du, ein König? Dass ich nicht lache!

M Na, hör mal! Mit Krone und Mantel würde Kaspar wie ein richtiger König aussehen!

C Genau! Was kann ich dafür, dass ich mir keine Krone leisten kann?

B Zu einem König gehört viel mehr:
Die adlige Abstammung.
Der edle Charakter. Und Stil.

C Willst du damit sagen, ich hätte keinen Stil!?

M Lasst gut sein.
Früher dachte man eben,
wenn ein König geboren wird, müssten auch Könige zu Besuch kommen.

B Die hatten wohl den 72. Psalm im Ohr.

M Gut möglich. Dieser Psalm handelt von einem gerechten König,
dem die anderen Könige Geschenke bringen.

C Los, wir beten ihn gemeinsam!
Und ihr sprecht alle mit.
Ich nehme diese Seite hier (geht auf die linke Seite).
Ihr sprecht alle nach links gerückten Verse.

M Ich nehme die rechte Seite (geht auf die rechte Seite).
Ihr sprecht mit mir die nach rechts gerückten Verse.

B Und ich?

M Du sprichst das Gebet am Ende.


Psalm 72

C Gott, gib dem König dein Recht!
Schenke dem Thronfolger deine Gerechtigkeit!

M Er soll ohne Vorurteil über dein Volk urteilen
und über deine Armen, wie es das Recht verlangt.

C Die Berge mögen dem Volk den Frieden bringen
und die Hügel sich kleiden in Gerechtigkeit.

M Den Armen im Volk soll er zum Recht verhelfen.
Die Kinder der Besitzlosen soll er retten.

C Die Gerechtigkeit soll aufblühen in seinen Tagen.
Und Frieden soll herrschen weit und breit,
solange bis es den Mond nicht mehr gibt.

M Könige werden ihm Geschenke bringen.
Alle Könige werden sich ihm unterwerfen.
Alle fremden Völker stehen in seinem Dienst.

C Ja, er rettet den Besitzlosen, der um Hilfe schreit.
Er hilft dem Armen, der keinen Beistand hat.

M Er hat Mitleid mit Schwachen und Besitzlosen
und sorgt dafür, dass sie am Leben bleiben.

C Hoch soll er leben!
Unermüdlich soll man für ihn beten,
jeden Tag soll man ihm Segen wünschen!

M Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist.

C Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit
und in Ewigkeit. Amen.

(Übersetzung: BasisBibel)

B Gebet

Jesus,
du sollst unser König sein.
Denn du bist gerecht.
Du stehst auf der Seite der Schwachen.
Du willst, dass alle Menschen gut leben können.

Wir wollen dir gehorchen
und so leben, wie du es dir von uns wünscht.
Aber das ist nicht leicht,
auch, weil viele ganz anders leben
und wir so gern zu den anderen dazugehören möchten.

Wir bitten dich:
Hilf uns, auf deinem Weg zu gehen,
weil es der Weg zum Leben ist.
Amen.


3. Die „falschen“ Weisen

M (Zur Gemeinde)
Ihr habt es bestimmt schon gemerkt:
Wir sind gar nicht die richtigen Weisen oder Sterndeuter oder Könige.

B Das geht ja auch gar nicht. Jesus wurde vor 2000 Jahren geboren.

C Wir könnten es aber sein …

B Nein, könnten wir nicht!

C Könnten wir doch!

B Nein, könnten wir nicht!

M Halt, hört doch auf!
Kaspar hat recht. Wir könnten schon die Könige sein.
Was machen denn die Könige?

B Sie besuchen Jesus, den neu geborenen Messias,
bringen ihm Geschenke und beten.

M Und das bedeutet …?

C Dass Jesus der ist, von dem die Propheten geweissagt haben!

M Genau.

B Das verstehe ich nicht.

M Dann hör dir das Lied an, das wir jetzt singen:


Lied: Wisst ihr noch, wie es geschehen

4. Es müssen keine Weisen sein

M (zu B) Na, ist jetzt alles klar?

B Nö. Ich weiß immer noch nicht, worauf die hinauswillst.
Wieso machen wir dasselbe, was die Könige machen?
Wir haben doch nicht einmal Geschenke.

M Um zu erkennen und um zu begreifen,
dass Jesus der Messias, der Christus ist,
braucht es keine Sterndeuter, Weisen oder Könige.
Das haben sogar die Hirten gemerkt.

C Aber denen hätte keiner geglaubt. Es waren ja bloß Hirten.

M Genau. Deshalb mussten Könige her.
Vor denen hat man Respekt.
Wenn die etwas sagen, glaubt man es.

B Also kamen damals gar keine Könige zum Stall???
Das will ich jetzt aber genau wissen!

C Gut. Ich lese dir und euch die Geschichte vor,
wie sie Matthäus aufgeschrieben hat:


Evangelium Matthäus 2,1-12

Jesus wurde in Betlehem in Judäa geboren
zu der Zeit, als Herodes König war.
Da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem.
Sie fragten:
»Wo ist der neugeborene König der Juden?
Denn wir haben seinen Stern im Osten gesehen.
Wir sind gekommen, um ihn anzubeten.«
Als König Herodes das hörte,
erschrak er
und mit ihm alle in Jerusalem.
Er rief zu sich alle Priester
und Schriftgelehrten des Volkes.
Er fragte sie:
»Wo soll der Christus geboren werden?«
Sie antworteten ihm:
»In Betlehem in Judäa!
Denn im Buch des Propheten steht:
›Du, Betlehem im Land Juda,
du bist keineswegs die unbedeutendste
unter den Städten in Juda.
Denn aus dir wird der Herrscher kommen,
der mein Volk Israel wie ein Hirte führen soll.‹«
Später rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich.
Er erkundigte sich bei ihnen genau nach der Zeit,
wann der Stern erschienen war.
Dann schickte er sie nach Betlehem
und sagte:
»Geht und sucht überall nach dem Kind!
Wenn ihr es findet,
gebt mir Bescheid!
Dann will auch ich kommen
und es anbeten.«
Nachdem die Sterndeuter den König gehört hatten,
machten sie sich auf den Weg.
Da ging der Stern, den sie im Osten gesehen hatten,
vor ihnen her.
Dann blieb er stehen,
genau über der Stelle,
wo das Kind war.
Als sie den Stern sahen,
waren sie außer sich vor Freude.
Sie gingen in das Haus
und sahen das Kind mit Maria, seiner Mutter.
Sie warfen sich vor ihm nieder
und beteten es an.
Dann öffneten sie die Kästen mit ihren Schätzen
und gaben ihm Geschenke:
Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Gott befahl ihnen im Traum:
»Geht nicht wieder zu Herodes!«
Deshalb kehrten sie auf einem anderen Weg
in ihr Land zurück.

(Übersetzung: BasisBibel)


Lied: O Bethlehem


5. Jede*r ist ein König

B Keine Könige, bloß Sterndeuter …

C Was heißt denn hier „bloß“?

B Man sagt doch „Heilige drei Könige“, nicht „Heilige drei Sterndeuter“.

M Warum ist dir das so wichtig?

B Es müssen Könige sein. Astrologen, Hirten - denen glaubt doch keiner.
Da würde jeder sofort denken: Das ist alles nur Schwindel.
Aber Königen - denen widerspricht man nicht. Das traut man sich nicht.

C Du hast die Weihnachtsgeschichte nicht verstanden.
Es kommt nicht darauf an, etwas Besonderes zu sein.
Jede und jeder kann die gute Nachricht von Jesus verbreiten.

M Man muss dazu weder mächtig noch berühmt sein …

B Aber wenn jeder die Weihnachtsbotschaft verbreiten kann,
wie kann man sie dann glauben?

M Glauben kann man nicht machen oder erzwingen.
Der kommt ganz von selbst.
Wichtig ist, dass die gute Nachricht weitergesagt wird.

C Es gibt zum Beispiel den Brauch der Sternsinger:
In manchen Gegenden verkleiden sich Kinder als die Heiligen Drei Könige.
Sie ziehen durch die Straßen, von Haus zu Haus.

M Sie malen mit Kreide den Segen der drei Könige auf die Haustüren.

C (Nimmt ein Stück Kreide, malt den Stern)
Das ist der Stern, dem wir gefolgt sind.
Und das ist mein Anfangsbuchstabe.
(Malt ein C)
Und das Kreuz ist das Zeichen für den Segen.
(Schlägt das Kreuz über die Gemeinde,
malt das Kreuz und gibt dann die Kreide an M weiter).

M Mein Name fängt mit M an.
(Malt das M)
Und auch ich will euch segnen.
(Schlägt das Kreuz, malt das Kreuz und gibt die Kreide an B weiter)

B Mein Name beginnt mit B, und auch ich möchte euch segnen.
(Schlägt das Kreuz, malt dann B und Kreuz, gibt Kreide an C)

C Jetzt fehlt nur die Jahreszahl.
(Malt 20 … 18)

B Was wir da geschrieben haben, sind gar nicht unsere Anfangsbuchstaben …

C Ja und Nein. Es sind unsere Anfangsbuchstaben, aber sie bedeuten etwas anderes.

M Kann jemand von euch Latein?
Also, C ist einfach. C steht für Christus.

B M ist der Anfangsbuchstabe von Mansio, das bedeutet „Haus“.

C Und B bedeutet Benedicere, „segnen“.

B Die Buchstaben sind eine Abkürzung:
Christus mansio benedicat
Möge Christus dieses Haus segnen.

M Die Kinder schreiben einen Segenswunsch an die Tür.
Einen Segenswunsch für das Jahr 2018.

C Und weil jede und jeder die gute Nachricht von Jesus weitergeben darf,
verteilen wir jetzt Kreidestückchen,
mit denen ihr das tun könnt, was wir gerade gemacht haben:

M Ihr könnt euer Haus segnen.

B Und das eurer Nachbarn!

C Oder eurer Freunde.

B (Zeigt die Anleitung)
Es ist sogar eine Anleitung dabei,
falls ihr vergessen habt, wie es geht.

M Während der Chor singt, verteilen wir die Kreidestückchen.
Jede und jeder, der will, kann eines bekommen.


Musik

Fürbitten:

M Wir alle sollen die gute Nachricht von Jesus weitergeben.
Deshalb können wir alle im Gottesdienst mitmachen.
Zum Zeichen dafür haben wir die Fürbitten abgedruckt und nummeriert.
Ich möchte euch bitten,
jeweils eine Fürbitte vorzulesen.
Eine*r fängt an, und dann geht es weiter.

1 Guter Gott, in unserer Welt gibt es viele Krisen, viele Sorgen und viel Leid.

2. Du willst, dass wir Menschen leben. So kommen wir zu dir mit unseren Bitten:

3. Wir beten für alle Menschen, die auf der Flucht sind.
Beschütze ihre Wege und lass sie helfende Hände finden.

4. Wir beten für alle, die Verantwortung tragen in Politik und Gesellschaft.
Hilf, dass sie alles tun, Leben zu retten.

5. Wir beten für die Menschen in unseren europäischen Ländern.
Lass sie offene Türen und Herzen haben für die Menschen, die Hilfe bei uns suchen.

6. Wir beten für alle, die sich für Flüchtlinge einsetzen.
Hilf ihnen gute Begleiter in ein neues Leben zu sein.

7. Wir beten für alle Menschen, die im Krieg oder auf der Flucht ums Leben gekommen sind.
Schenke ihnen Leben in Fülle bei dir.

8. Du, Gott, bist das Leben und willst, dass alle Menschen leben. Wir danken dir für deine Güte und preisen dich in Ewigkeit.

9. Wie Jesus uns gelehrt hat, so beten wir gemeinsam:

(Quelle für die Fürbitten: sternsinger.de)

Vater unser


C Irischer Segen

C Auch den Segen wollen wir uns gegenseitig zusprechen.
Das machen wir mit Worten und Gesten.
Ich spreche und mache es vor,
und ihr sprecht und macht es mir nach.

(C steht zwischen M und B. Spricht jeweils einen Satz vor und macht entsprechende Gebärden, die alle wiederholen)

C Die Straße komme Dir entgegen (Hände ausstrecken)

Die Sonne scheine Dir ins Gesicht (Hände hoch und Finger funkeln als Sonnenstrahlen)

Der Regen falle warm auf Deine Schulter (Sanft mit der Hand die Schulter des rechten Nachbarn berühren)

Der Wind stärke Deinen Rücken ber den Rücken des rechten Nachbarn streichen)

Gott halte Dich schützend in seiner Hand (Mit rechter und linker Hand die Hände der Nachbarn greifen)


So segne und behüte euch der allmächtige und barmherzige Gott,

 der Vater + der Sohn und der Heilige Geist. Amen.