Samstag, 26. Dezember 2020

durch einen blinden Spiegel

Gedanken zum Predigttext am 1.Sonntag nach dem Christfest, Lukas 2,22-40

Liebe Schwestern und Brüder,

Weihnachten ist ein Fest für alle Sinne. Und was können sie an Weihnachten nicht alles erspüren! Die Nase erfreut sich an Back- und Bratendüften. Die Zunge bekommt leckeres Essen, Christstollen und Lebkuchen zu schmecken. Wir hören Weihnachtslieder und das Knistern von Geschenkpapier. Wir versuchen zu ertasten, welches Geschenk sich unter dem Papier verbirgt.

Doch am meisten gibt es an Weihnachten wohl zu sehen: Tannenbaum und Kerzenglanz, das Leuchten in den Augen der Kinder wie der Erwachsenen, und das Kind in der Krippe.

Darum lesen wir heute die Geschichte von Simeon, der sehnsüchtig darauf wartete, den Messias zu sehen, den Trost Israels, und der ihn in dem Kind erkannte, das Maria und Josef in den Tempel brachten: „Meine Augen haben deinen Heiland gesehen”.

Simeon ist glücklich darüber, dass er das Kommen dessen erleben durfte, der angekündigt war vor langer Zeit. Aber anders, als die Propheten es ausmalten, bringt er nicht das Jüngste Gericht und das Reich Gottes - jedenfalls nicht so, wie es die Propheten erwarteten, als Revolution, als Umwälzung und Erneuerung der Welt. Die Welt wird nicht erschüttert, sie nimmt nicht einmal Notiz von der Geburt des Erlösers. Nur ein alter Mann und eine hochbetagte Frau sehen das Kind als das, was es ist.

Warum kommt Gott so heimlich auf die Welt? Warum hängt er nicht an die große Glocke, dass er Mensch geworden ist? Warum erscheinen die Engel nur ein paar Hirten auf freiem Feld, abseits aller Zivilisation, statt mitten in der Stadt aufzutreten, wo alle sie sehen können?

Wenn Gott sein Kommen in die Welt so verbirgt, muss man sich anstrengen, ihn zu finden. Man muss ihn suchen. Ihn ersehnen, wie der alte Simeon. Sich um ihn bemühen, wie Hannah es ihr Leben lang tat.

Als Gott auf die Welt kam, wurde diese Welt nicht mit einem Schlag zum Paradies. Sie blieb so, wie sie ist: So schön, und zugleich so voller Leiden und Leid. In dieser Welt, in diesem Leben können wir Gott nicht so sehen, wie Simeon den Heiland sah. Wir sehen Gott nur wie durch einen blinden Spiegel: Unsicher, ob das, was wir da sehen, wirklich Gott ist, oder nur eine Täuschung, eine Einbildung von uns.

Gott bleibt für uns verborgen. Darum bleibt auch verborgen, wo und wie Gott uns leitet und begleitet, uns unterstützt und trägt. Gott ist da; wir sind im Leben nicht allein, nicht auf uns allein gestellt. Wir können aber auch nicht davon ausgehen, dass Gott für uns alle Steine aus dem Weg räumt, alle Probleme löst. Gott nimmt uns unser Leben nicht ab. Gott nimmt uns auch die Verantwortung für unser Leben, für unsere Mitmenschen und für diese Welt nicht ab. Dafür gibt er uns die Kraft, die Ausdauer und die Ideen, das Leben zu bestehen und diese Welt ein wenig besser zu machen - für uns, und für andere.

Kraft, Ausdauer und Ideen finden wir, wenn wir uns auf die Suche nach Gott machen. Bei dieser Suche stoßen wir immer wieder auf seine Spuren. Wir begegnen dem Kind in der Krippe, wenn wir es am wenigsten erwarten. Und wenn wir auch nicht mit Simeon sagen: „Meine Augen haben deinen Heiland gesehen”, so dürfen wir doch sicher sein, dass Gott immer an unserer Seite ist und bleibt. Und dass er sich von uns finden lässt, wenn wir ihn suchen.

Donnerstag, 24. Dezember 2020

selbstlos geworden

Gedanken zum Predigttext des 1.Weihnachtstages Jesaja 52,7-10

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König! Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und jubeln miteinander; denn sie werden’s mit ihren Augen sehen, wenn der Herr nach Zion zurückkehrt. Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der Herr hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. Der Herr hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Liebe Schwestern und Brüder,
dieses Jahr haben wohl alle nur einen Wunsch zu Weihnachten: Dass die Ausnahmesituation, die das Corona-Virus verursacht hat, endlich vorüber geht, und dass alles wieder so wird, wie es vor der Pandemie war.
Einen ähnlichen Wunsch hatten schon die Bürgerinnen und Bürger Jerusalems, die im 6. Jh. vor Christus ins Exil verschleppt worden waren: Sie wollten nach Hause, nach Zion, wie die Stadt Jerusalem auch genannt wurde. Ihnen bringt der Prophet Jesaja die gute Nachricht, dass sie zurückkehren können. Und dass auch Gott nach Zion zurückkehrt, obwohl der Tempel noch in Trümmern liegt.
Bilder einer Stadt in Trümmern kennen wir aus den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt: Das abgebrannte Flüchtlingslager von Moria, oder die zerstörte Stadt Homs in Syrien. Die älteren von uns erinnern sich an die vom Krieg zerstörten Städte in unserem Land. Die Narben des Krieges kann ein geübtes Auge noch heute an vielen Gebäuden entdecken.
Zerstörung und Wiederaufbau haben unsere Städte verändert. Manche Stadt hat sich nach dem Krieg völlig verwandelt, manche hat ihr Gesicht verloren. So war es auch in Jerusalem: Die Stadt war nach der Rückkehr der Exilierten nicht mehr dieselbe. Der zweite Tempel, der nach dem Exil gebaut wurde, hatte wenig gemein mit dem Tempel, dessen Beschreibung wir in der Bibel finden.
Auch nach der Corona-Pandemie wird nicht alles einfach so sein und weitergehen wie früher. Es hat sich etwas verändert. Wir haben uns verändert. Wir sind selbstloser geworden. Wir tragen Masken, obwohl das noch immer ungewohnt und unbequem ist, um andere nicht zu gefährden. Wir halten Abstand, obwohl wir uns nach Berührung, nach einer Umarmung sehnen, um das Virus nicht zu verbreiten. Wir machen uns Gedanken um Menschen, die eine Corona-Infektion nicht oder nur schwer überstehen würden und versuchen, sie besonders zu schützen und auch, sie nicht allein zu lassen - obwohl wir sie oft gar nicht kennen.
Dieses selbstlose Verhalten haben manche schon vor der Pandemie geübt. Aber jetzt sind es viel, viel mehr, die Rücksicht auf andere nehmen. Die nicht zuerst an sich denken, sondern fragen, wie es ihren Mitmenschen geht, und was sie brauchen. Das ist, bei allem Schlimmen und Schweren, das die Pandemie uns gebracht hat, etwas sehr Schönes und Wertvolles. Es macht zuversichtlich, dass wir unser Zusammensein menschlicher gestalten können. Und es weckt die Hoffnung, dass wir auch die anderen großen Herausforderungen meistern werden, die uns erwarten: Den Klimawandel. Die gerechte Verteilung von Nahrung, Wohlstand und Wissen auf der Welt. Die Befreiung von Menschen aus politischer oder religiöser Unterdrückung. Das Ende der Benachteiligung, die noch immer viele wegen ihres Geschlechtes erfahren, wegen ihrer Hautfarbe oder ihrer Herkunft, oder wegen ihrer Lebensweise.
Es sind große Herausforderungen. Aber wir haben auf die Herausforderung durch die Corona-Pandemie so selbstlos, beherzt und einfühlsam reagiert, dass ich glaube: Mit Gottes Hilfe können wir es schaffen!
Amen.

Dienstag, 22. Dezember 2020

Die wichtigste Nachricht des Tages

 

 „Christ, der Retter, ist da!” Unter einem Retter stelle ich mir einen starken Mann vor, einen Held, der alles kann und unbesiegbar ist. Aber Jesus ist kein Held, sondern ein kleines, hilfloses Baby in einer Futterkrippe. Wie kann ein Baby unser Retter sein?
 
Sollen wir unsere Hoffnung auf einen Helden oder einen Anführer setzen? Die denken am Ende doch nur an sich, und es geschieht Unrecht. Die Welt wird nicht gerettet, wenn man Menschen mit Gewalt dazu zwingt, zu tun, was einer für richtig hält. Rettung kommt allein von Gott. Gott wendet keine Gewalt an. Gott haut nicht mit der Faust auf den Tisch, damit alle tun, was er will. Gott vertraut auf uns, wenn es um die Rettung der Welt geht. Darum kommt sein Sohn als Baby auf die Welt. Es gibt böse Menschen, die sogar einem Baby weh tun. Aber wir nicht. Wir haben Mitleid und empfinden Barmherzigkeit mit einem Kind. Genau das rettet die Welt: Mitleid und Barmherzigkeit. Sie machen das Menschsein, die Menschlichkeit aus.
 
Aber wir sind doch nur so wenige! Ja, das stimmt. Die meisten Menschen scheinen gleichgültig zu sein. Aber immer wieder gibt es jemanden, die etwas sagt oder etwas tut. Hier eine, und da einer. Überall, in unserem Ort, in unserem Land, auf der ganzen Welt. Wenn wir am Heiligen Abend um 20.00 Uhr das Fenster oder die Haustür aufmachen und „Stille Nacht” singen, dann sind wir vielleicht allein in unserer Straße. Vielleicht hören wir aber auch schon aus dem Nachbarhaus jemanden singen. Viele Menschen werden in dieser Nacht singen. Wenn wir sie auch nicht hören können, wissen wir doch, dass sie da sind.
 
Wir müssen gar nicht wissen, wie viele wir sind. Denn wir sollen nicht auf die Macht der Masse vertrauen, sondern auf die Macht der Liebe. Auf Gottes Macht. Die Liebe zwingt nicht mit Gewalt. Die Liebe überzeugt nicht mit Worten. Die Liebe ergreift uns, wie das Wunder der Weihnacht. Wie der Anblick des Kindes in der Krippe. Wir werden davon ergriffen, und Mitleid und Barmherzigkeit erwachen in uns. Wir werden andere Menschen, und wir gehen anders miteinander um: Freundlicher, respektvoller, hilfsbereiter. Das Schicksal fremder Menschen berührt uns. Wir wollen nicht, dass Kinder im Mittelmeer ertrinken, in der Sahelzone verhungern, in Syrien oder im Jemen Angst vor Bomben haben müssen. Weil wir das Kind in der Krippe gesehen haben. Das Kind hat uns angerührt. Und ist unser Retter geworden. Amen.

„Der Hoffnung eine Stimme geben” - Aktion der Nordkirche zu Hl. Abend 2020


Montag, 14. Dezember 2020

Zwischen den Zeiten

Predigt am 3. Advent, 13.12.2020, über Lukas 1,67-79
 
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
im Lobgesang des Zacharias vermischen sich die Zeiten,
Vergangenheit und Zukunft.
„Gott hat besucht und erlöst sein Volk” (V. 68) -
das ist bereits geschehen.
„Du, Kindlein, wirst Prophet des Höchsten heißen.
Denn du wirst dem Herrn vorangehen”
(V. 76) -
das steht noch aus.
Dazwischen, in der Gegenwart, steht Zacharias,
der die Brücke schlägt zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Er verbindet die Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel
mit dem, was gerade geschieht.
Daraus leitet er gute Prognosen für die Zukunft ab:
Das himmlische Licht wird erscheinen
„denen, die sitzen in Finsternis
und Schatten des Todes”
(V. 79),
wird die Finsternis hell machen
und die Todesschatten vertreiben,
indem es das Leben bringt,
das den Tod hinter sich gelassen hat.
 
In diesen Tagen des Advent
sitzen auch wir im Finsteren.
Und aus dem Fernseher hören wir jeden Abend
die Zahl derer, die an COVID-19,
oder im Zusammenhang damit, gestorben sind.
Und jeden Abend werden es mehr.
 
Da tut es gut, ein Licht anzuzünden,
das gegen die Dunkelheit anleuchtet
und uns ein wenig Hoffnung schenkt.
Doch die Schatten werden länger
und die Dunkelheit tiefer
im Umkreis eines solchen kleinen Lichtes.
Deshalb warten wir auf das Licht der Weihnacht,
auf den Glanz, der die Engel auf dem Feld umgibt,
das die Dunkelheit vertreibt
und uns darin bestärkt,
dass das Licht aus der Höhe zu uns gekommen ist
und die Schatten des Todes uns nichts mehr anhaben können.
 
Was läge da näher,
als gemeinsam diesem Licht der Weihnacht entgegenzugehen
in einem großen Gottesdienst am Hl.Abend
voller Kerzenschein, Lichterglanz
und dem Leuchten auf den Gesichtern,
wenn wir die vertrauten Worte hören:
„Euch ist heute der Heiland geboren”.
 
Doch Wissenschaftler und Experten drängen,
jede Begegnung, die nicht unbedingt sein muss, zu vermeiden.
Und die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung
planen eine Verschärfung des Lockdowns
und weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens.
 
Zum Glück können sie die Gottesdienste nicht einschränken!
Wenn auch schon lange keine Konzerte, Theateraufführungen oder Ausstellungen
mehr stattfinden dürfen,
Schulen und Universitäten vorzeitig in die Weihnachtsferien gehen,
wir dürfen uns weiterhin treffen, als einzige.
Denn wir treffen uns ja nicht zum Spaß,
um uns zu unterhalten.
Wir treffen uns zum Gottesdienst.
In diesem Wort steckt der „Dienst”:
Wir tun das nicht für uns, sondern für Gott.
Bzw. weil es Gottes Wille ist,
dass wir „ihm dienen ohne Furcht unser Leben lang” (V. 75).
 
Es kann keinen anderen Grund geben als diesen.
Denn wenn wir uns träfen, weil wir das gerne möchten,
weil es uns gut tut, tröstet und erbaut,
dann müssten sich auch die Theaterfreunde und Konzertliebhaber treffen dürfen,
denn auch sie suchen in ihrem Kunstgenuss
nach Trost und Erbauung,
wie wir im Gottesdienst.
 
Aber ihre Treffen sind durch die Verfassung nicht geschützt,
unsere schon.
Denn wir Gläubigen - Christ*innen, Jüd*innen und Muslim*a -
erfüllen eine wichtige Aufgabe für die Gesellschaft.
Wir sind nicht nur Staatsbürger*innen,
sondern wir dienen Gott,
leben nach seinem Willen.
Und geben so dem Staat eine Orientierung,
die er sich selbst nicht geben kann,
ziehen Grenzen, wenn er sich wichtiger nimmt, als er ist
und treten ein für die Menschenwürde,  
die der Dreh- und Angelpunkt unserer Verfassung ist.
 
Wir treffen uns also am Sonntag,
um Gott dadurch zu dienen,
und weil wir Gott dienen,
sind unsere Treffen vom Staat geschützt
und auch unter den verschärften Corona-Bedingungen erlaubt.
 
Und wenn wir uns am Hl.Abend treffen in Zahlen,
die sonst überall verboten sind
und bei denen man davon ausgeht,
dass eine erhöhte Ansteckungsgefahr besteht,
dann tun wir auch das nicht,
weil es für uns zu Weihnachten nun mal dazugehört,
weil wir jedes Jahr Weihnachten so feiern
oder weil wir es zuhause nicht mehr aushalten.
Sondern es ist ein Gottes-Dienst.
 
Dann stellt sich aber doch die Frage,
ob Gott diesen Dienst von uns will.
Will Gott, dass wir in großer Zahl zusammenkommen
und sich so die Gefahr einer Ansteckung mit dem Covid-Virus erhöht?
Ist es wirklich ein Gottesdienst,
wenn wir als einzige Hl.Abend in gewohnter Weise feiern,
während so viele Menschen sich nicht treffen dürfen?
Und ist Gott dann wirklich unter uns,
wenn auch am Hl.Abend
Menschen in Altersheimen und auf Intensivstationen  
an den Folgen von COVID-19 sterben
oder auf der gefährlichen Fahrt übers Mittelmeer ertrinken?
Ist Gott dann wirklich bei uns
und nicht vielmehr an den Kranken- und Sterbebetten,
auf den Schlauchbooten und Nussschalen?
 
Und würde Gott sich nicht auch am Hl.Abend wünschen,
dass wir unseren  Teil dazu beitragen,
dass Menschen nicht an COVID-19 erkranken
oder im Mittelmeer ertrinken?
 
Könnte es also - auf diese Frage läuft es schließlich hinaus -
könnte es also in diesem Jahr ein Gottes-Dienst sein,
wenn wir erst einmal auf Gottesdienste verzichteten?
Wenn wir besonders am Hl.Abend nicht zusammenkommen,
sondern jede und jeder für sich
seinen und ihren Teil tut,
dass Gottes Menschlichkeit sich unter uns ausbreitet -
indem wir uns NICHT treffen,
um Menschen nicht zu gefährden?
 
Wir befinden uns zwischen den Zeiten.
Das Gewohnte und Vertraute  
liegt als eine scheinbar unerreichbare Vergangenheit hinter uns.
So vieles ist im Moment -
und wer weiß, wie lange noch - nicht möglich,
das für uns selbstverständlich und lebenswichtig war.
Oder wenn, wie wir jetzt merken,
vielleicht nicht lebenswichtig,
so hat es doch das Leben erst lebenswert gemacht.
 
Vor uns liegt eine ungewisse Zukunft.
Niemand kann uns sagen,
wann endlich alle Beschränkungen fallen,
wann die Schutzmaßnahmen vor dem Covid-Virus überflüssig sein werden.
Dazwischen stehen wir, in der Gegenwart,
und bauen die Brücke
zwischen Gottes Versprechen an sein Volk Israel
und einer Zukunft,
die keine Finsternis und keine Todesschatten mehr kennt.
 
Wir sind die Verläufer*innen und Wegbereiter*innen für den Herrn,
wenn er kommt.
Es ist unsere Aufgabe und unsere Verantwortung,
seinen Willen zu tun.
Denn es ist uns gesagt, was gut ist
und was Gott von uns fordert (Micha 6,8).
Gebe Gott, dass wir es auch tun.
 
Amen.

Samstag, 5. Dezember 2020

(nicht nur) heute ein Nikolaus

Predigt am 6. Dezember, Nikolaustag, über Jesaja 61,1-2+10:
 
Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir,  
weil der Herr mich gesalbt hat.
Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen,  
die zerbrochenen Herzen zu verbinden,  
zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit,  
den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen;  
zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn  
und einen Tag der Rache unsres Gottes,  
zu trösten alle Trauernden.
Ich freue mich im Herrn,  
und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott;  
denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen  
und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet,  
wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert  
und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt.
 
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
es sind zwar noch ein paar Wochen hin bis Silvester,
aber schon werden Jahresrückblicke gezogen.
Offenbar kann das Jahr 2020 nicht schnell genug zu Ende gehen.
Denn darin sind sich alle einig:
Dieses Jahr konnte man komplett vergessen.
Es hat uns mit Corona nur Schwierigkeiten und Probleme gebracht.
 
Eine eigenartige Vorstellung, wenn man’s recht bedenkt,
dass ein Jahr etwas Gutes oder Schlechtes bringt.
So, als wäre ein Jahr eine Person,
die uns Gutes tun oder schaden will.
Dabei ist ein Jahr nur eine willkürlich gewählte Zeiteinheit,
die in grauer Vorzeit eingeführt wurde,
um dem Alltag eine Struktur zu geben
und Geschichte schreiben zu können.
 
Trotzdem hält sich hartnäckig die Vorstellung,
dass ein Jahr Gutes oder Schlechtes bringt,
und dass wir erleiden müssen, was es bringt.
So, wie der Nikolaus Geschenke bringt - oder die Rute.
Natürlich bringt er uns und unseren Kindern nur Geschenke.
Die Rute hat er vor langer Zeit schon zuhause gelassen -
zum Glück!
 
Übrigens ist der Nikolaus identisch mit dem Weihnachtsmann,
weshalb der Weihnachtsmann einen bischöflich roten Mantel trägt.
Coca Cola hat den Nikolaus zum Weihnachtsmann gemacht.
Bis dahin brachte und das Christkind die Geschenke.
Martin Luther wollte nicht, dass ein Heiliger,
und sei es der Heilige Nikolaus,
eine so wichtige Rolle als Geschenkebringer spielen sollte.
Darum hat er ihn arbeitslos gemacht -
bis eine Brausefirma ihn wieder eingestellt hat.
 
Als Kind durchschaut man irgendwann,
dass weder Christkind noch Nikolaus die Geschenke bringen,
sondern die Eltern und Großeltern.
Weshalb man sich dann mit seinen Wünschen direkt an sie wendet.
Und als Erwachsene?
 
Als Erwachsene genießt man es,
den Kindern, der Partnerin oder dem Partner,
den Menschen, die man liebt,
eine Freude machen zu können.
Da sind wir wie der Heilige Nikolaus,
der sich bei seinen guten Taten nicht erwischen lassen wollte
und der beim Geben seine Linke nicht wissen ließ,
was seine Rechte tat.
 
Als Erwachsene wissen wir,
dass Geschenke, dass Gutes nur kommen,
wenn wir dafür sorgen.
Hätten wir vor dem Nikolaustag nicht eingekauft oder gebacken,
wären die geputzten Schuhe heute morgen leer geblieben.
Trotzdem warten auch wir darauf,
dass uns etwas Gutes widerfährt.
Dass Corona „irgendwie” verschwindet,
die Klimaerwärmung, und all die anderen Probleme unserer Welt.
Dass sich „jemand” um all das kümmert,
am besten um alles auf einmal,
und am besten sofort,
wie wir darauf warten,
dass zuhause mal „jemand” aufräumt,
die Wäsche macht oder den Müll rausbringt.
 
Wir warten darauf, dass „jemand” etwas tut,
und sehen unseren Beitrag darin,
sozusagen die geputzten Schuhe herauszustellen:
Indem wir uns beschweren und benennen, was wir schlecht finden,
und das ins Internet schreiben.
Indem wir eine Kerze als Hoffnungslicht anzünden.
Indem wir eine Petition unterzeichnen,
oder für einen guten Zweck spenden.
 
Ich will das alles nicht schlecht reden.
Aber, wenn man ehrlich zu sich selbst ist,
steht hinter all dem die Überzeugung,
dass ANDERE sich kümmern sollen.
Man selbst hat seinen Beitrag ja schon geleistet.
Es ist schön, ein Hoffnungslicht anzuzünden.
Es kann Trost spenden, wenn man im Dunkeln
hinter einem Fenster eine Kerze leuchten sieht.
Aber man wird davon nicht satt,
und warm wird einem davon auch nicht.
 
„Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir,
weil der Herr mich gesalbt hat”
-
das ist nicht nur den professionellen Helferinnen und Helfern gesagt.
Mit unserer Taufe haben wir alle Gottes Geist erhalten.
Wir alle sind dazu berufen,
den Elenden gute Botschaft zu bringen,
die zerbrochenen Herzen zu verbinden
und den Gefangenen die Freiheit zu verkündigen.
Wir alle sind zu Bischöfinnen und Bischöfen geweiht
wie Nikolaus von Myra,
um nicht nur am 6. Dezember,
sondern das ganze Jahr über
Hoffnung, Freundlichkeit und Wärme zu verbreiten.
 
Wir kennen das von der Hausarbeit:
der Jemand, der die Wäsche macht,
den Müll rausbringt oder aufräumt -
das sind wir.
Wer sollte es auch sonst tun?
Wir sind es, die diese Welt retten -
oder sie zumindest zu einem schöneren,
friedlicheren, lebenswerten Ort machen.
Es wird kein anderer, keine andere kommen,
die uns das abnimmt.
 
Das Jahr 2020 geht seinem Ende entgegen.
Es hat uns mit Corona eine Aufgabe gegeben,
die für alle sehr, sehr schwer ist
und für viele zu schwer.
Aber so, wie das Jahr 2020 nicht schuld an Corona ist,
so sind wir dieser Pandemie,
sind wir dem Klimawandel und den vielen anderen Problemen
nicht hilflos ausgeliefert.
Wir können etwas tun.
Dabei zählt nicht die Größe der Tat,
sondern der gute Wille.
Unser guter Wille, etwas zu tun
und nicht auf andere zu zeigen
oder zu warten, dass „jemand” etwas unternimmt.
Man muss auch nicht gleich zum Hammer,
zur Schippe oder Schubkarre greifen.
Ein Lächeln wirkt auch wunder,
wenn ich mich aufmache, jemanden zu besuchen;
die Nachfrage, wie es geht,
oder die liebevolle Aufmerksamkeit,
die man jemandem in den Schuh steckt.
 
Die Kraft dafür fließt uns vom Geist Gottes zu,
mit dem wir beschenkt sind
und der uns strahlen lässt,
sodass wir schön sind wie eine Braut,
stolz wie ein Bräutigam.
 
Wir sind schön,
und wir sind reich beschenkt.
Wenn wir allein das erkennen würden,
wäre die Welt schon ein besserer Ort.
 
Amen.

Sonntag, 29. November 2020

hoher Besuch

Predigt am 1.Advent, 29.11.2020, über Sacharja 9,9-10:
 
Du, Tochter Zion, freue dich sehr,  
und du, Tochter Jerusalem, jauchze!  
Siehe, dein König kommt zu dir,  
ein Gerechter und ein Helfer,  
arm und reitet auf einem Esel,  
auf einem Füllen der Eselin.  
Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim  
und die Rosse in Jerusalem,  
und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden.  
Denn er wird Frieden gebieten den Völkern,  
und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern  
und vom Strom bis an die Enden der Erde.
 
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
dein König kommt!
Das ist die gute Nachricht für heute,
die den Grundton der ganzen Adventszeit bildet:
Dein König kommt!
Und mit diesem König ist etwas im Kommen:
Friede -
der Friede, den die Engel am Heiligen Abend
den Hirten verkünden werden.
Friede für die Welt
und Friede für die Herzen,
für jede und jeden von uns.
 
Dein König kommt!
Jemand, auf den man lange gewartet hat,
jemand, auf den man sich schon lange freut,
hat endlich sein Kommen angekündigt.
Das gibt einen Kraft- und Motivationsschub;
den können wir in diesen dunklen und beschwerlichen Zeiten
gut gebrauchen.
 
Man sagt, große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus.
Aber der, der da kommt, wirft sein Licht voraus.
Mit einem Mal erscheint alles ein wenig heller,
obwohl wir bald den kürzesten Tag
und die längste Nacht des Jahres erreichen.
Mit einem Mal entdecken wir auch in uns
einen Funken Hoffnung,
einen Hauch Wärme,
einen Lichtstrahl,
der uns beharrlich die Richtung weist,
in die es geht:
Es geht in diesen Tagen darum,
gut zu sein;
etwas bessere Menschen,
als wir sonst sind:
geduldiger,
freundlicher,
zuversichtlicher.
 
So verändert sein Kommen uns schon jetzt,
lange, bevor er da ist.
Wenn ein besonders lieber Besuch kommt,
gibt man sich auch ganz besonders Mühe,
die Wohnung aufzuräumen,
sie schön und einladend zu gestalten -
wie auch wir jetzt, in der Vorweihnachtszeit,
alles festlich schmücken und herrichten.
Man malt sich aus, wie es sein wird,
wenn der sehnlich erwartete Besuch endlich da ist:
Was man Schönes unternehmen,
über welche Dinge man sprechen wird.
 
Für das Kommen des Königs  
räumen wir unser Inneres auf, sozusagen.
Wir fegen den alten Groll hinaus,
stopfen Neid und Eifersucht in die Mülltonne,
werfen Verbitterung und Kränkung ins Altpapier.
Denn wir wollen ihm mit Freude entgegengehen.
 
Von dieser Freude, die sein Kommen in uns weckt,
bekommen auch unsere Mitmenschen etwas ab.
Ein Guter Wille entsteht und steckt andere an.
Und so entsteht unter uns, was uns der König bringt:
Friede.
Und dieser Friede breitet sich aus,
wie der gute Wille sich ausbreitet,
dem König ein angemessenes Willkommen zu bereiten.
 
Wenn in England die Queen irgendwo zu Besuch kommt,
werden Fahnen geschwenkt.
Alles ist frisch geputzt, frisch gestrichen und mit Girlanden geschmückt.
Eine Kapelle spielt festliche Musik.
Die Polizei trägt Ausgehuniform,
und auch die Zaungäste haben ihre beste Kleidung angezogen.
 
Der König, den wir erwarten, kommt anders zu uns:
als armer, demütiger Eselsreiter.
Weil er so schlicht und einfach kommt,
erwartet er von uns keine äußerliche Prachtentfaltung;
kein Pomp & Circumstance,
keinen Jubel und keinen Aufwand.
Er kommt ohne Erwartungen an uns,
aber mit einem Geschenk: Sich selbst.
 
Unser König kommt zu uns,
nicht, damit wir ihm huldigen,
vor ihm auf die Knie fallen
oder ihn als unseren Anführer anhimmeln.
Er kommt zu uns,
um uns Frieden zu bringen.
 
Die Fahnen, die wir schwenken,
sind unsere offenen, freundlichen Gesichter.
Die geputzte und geschmückte Straße,
durch die sein Zug führt,
ist unser aufgeräumtes Inneres,
das von einem guten Willen beseelt ist.
Und unsere Sonntagskleidung,
das ist unser Mitgefühl.
Unser Mitgefühl mit dem Eselsreiter.
 
Denn der Esel trägt zwar einen König,
was bestimmt keine leichte Last ist.
Dieser König aber trägt unseren Kummer,
unsere Bosheit und Gemeinheit,
unsere Bitterkeit und Verstocktheit,
unsere Sorge und unseren Schmerz.
Und nicht nur unsere,
sondern die aller Menschen -
eine ungeheure Last.
 
Er trägt sie für uns.
Er befreit uns davon.
So kann der Friede, den der König bringt,
in unsere Herzen und Häuser einziehen.
So kann dieser Friede sich unter uns ausbreiten
und unseren guten Willen wecken,
es besser zu machen,
bessere Menschen zu sein.
 
Und so kann es,
trotz aller Dunkelheit,
trotz aller Sorgen, Ängste und Ungewissheiten,
trotz Corona
für uns auch dieses Jahr Weihnachten werden.
Für uns,
für die Menschen, die wir lieben,
für die, mit denen wir zusammenleben
und für alle anderen auch.
 
Amen.

Donnerstag, 19. November 2020

Dem Licht entgegen

Predigt am Ewigkeitssonntag, 22.11.2020, über Offenbarung 21,1-7:
 
Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde.  
Denn der erste Himmel und die erste Erde vergingen
und das Meer ist nicht mehr.
Und ich sah die neue heilige Stadt Jerusalem.  
Sie kam aus dem Himmel herab von Gott.  
Sie war bereit gemacht worden,  
wie eine Braut geschmückt wird für ihren Mann.
Und ich hörte eine gewaltige Stimme vom Thron her sprechen:
Da ist die Wohnung Gottes unter den Menschen.
Er wird bei ihnen wohnen,
und sie werden seine Völker sein,
und Gott selbst bei ihnen wird ihr Gott sein.
„Und er wird abwischen alle Tränen aus ihren Augen” (Jesaja 25,8),  
und der Tod wird nicht mehr sein.  
Weder Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein,  
weil das erste verging.
Und es sprach, der auf dem Thron saß:  
Sieh, ich mache alles neu.  
Und er spricht: Schreib es auf,  
denn diese Worte sind glaubwürdig und wahr.
Und er sprach zu mir: Es ist bereits geschehen.  
Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende.  
Dem Durstigen werde ich geben aus der Quelle des Wassers des Lebens umsonst.
Wer alle Hindernisse überwindet, wird dies alles erben,  
und ich werde sein Gott sein  
und er wird mein Kind sein.

(Zur Übersetzung vergleiche: https://offene-bibel.de/wiki/Offenbarung_21)
 
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
als wir Kinder waren,
hatte jede und jeder von uns einen Ort,
vor dem er oder sie sich fürchtete.
Für die eine war es der dunkle Keller,
für den anderen der dichte Wald.
In den dunklen Ecken des Kellers vermuteten wir Ungeheuer,
unter den Schatten des Waldes wilde Tiere
oder Räuber, die uns nach dem Leben trachteten.
 
Auch der Seher Johannes kennt einen solchen Ort: Das Meer.
Wir verbinden mit dem Meer romantische Vorstellungen
von Sonnenuntergängen und dem gleichförmigen Rauschen der Wellen.
Aber wer direkt am Meer lebt oder mit ihm zu tun hat, weiß,
dass es brutal, grausam und lebensgefährlich sein kann.
Das Meer ist unheimlich. Man kann seinen Grund nicht sehen
und befürchtet, ihm könnten Ungeheuer entsteigen.
 
„Das Meer ist nicht mehr”.
Die neue Erde, die Johannes vor sich sieht,
kennt keine abgründigen Gewässer mehr.
Wir würden uns in einer solchen Welt nicht wohlfühlen.
Das Paradies, das ist für viele von uns ein Badestrand
mit Sonne, Wind und weißem Sand.
Aber was Johannes meint, ist:
Auf der neuen Erde gibt es nichts mehr,
vor dem man sich fürchten muss.
Die neue Erde hat keine Abgründe, keine dunklen Ecken mehr,
in denen Ungeheuer lauern.
 
Als Erwachsene wissen wir,
dass die Orte, die uns als Kinder gruselten, ungefährlich sind.
Und trotzdem beschleicht uns auch heute noch die Angst.
Besonders, wenn es dunkel ist, die Schatten tiefer werden
und man in der Stille plötzlich jedes Knacken,
jedes kleinste Geräusch überlaut hört und erschrickt.
 
Wir kennen sie immer noch, die Angst vor den dunklen Ecken:
Den dunklen Ecken unserer Seele,
in denen sich Ungeheuer verstecken.
Manchmal kommen sie heraus und bedrängen uns,
rauben uns nachts den Schlaf
oder nehmen uns tagsüber die Kraft und den Antrieb, etwas zu tun.
Unter den vielen Ungeheuern, die uns heimsuchen,
ist das größte wohl die Angst vor dem Tod.
Sie ergreift uns, wenn wir am wenigsten mit ihr rechnen.
Und in diesen dunklen Tagen,
in den lähmenden, deprimierenden Corona-Einschränkungen,
bei der Erinnerung an Abschiede von lieben Menschen,
begegnen wir ihr besonders häufig.
 
„Der Tod wird nicht mehr sein”,
so sieht es Johannes vor sich.
Aber wie kann uns das trösten,
wenn die Erlösung vom Tod erst ganz am Ende kommt,
nach unserem Tod?
Wenn wir durch diese größte Dunkelheit doch erst hindurch müssen?
 
„Schreib es auf, denn diese Worte sind glaubwürdig und wahr”.
Wir haben sein Wort.  
Wir haben Gottes Wort, dass es stimmt:  
So, wie es auf der neuen Erde keine Angst mehr gibt,
so wird es auch keinen Tod mehr geben.
Der Tod, das letzte, größte Hindernis, ist überwunden.
Und das nicht erst am Ende der Zeiten.
Sondern „es ist bereits geschehen”.
 
Wir haben Menschen durch den Tod verloren.
Menschen, die uns jetzt sehr fehlen,
die wir bitter vermissen -
so sehr, dass für manche das Leben nicht mehr lebenswert erscheint.
Aber man könnte auch sagen:
Sie sind uns vorausgegangen.
Sie sehen schon, was wir noch glauben müssen.
 
Auch Jesus starb am Kreuz,
und seine Jünger glaubten,
alles wäre verloren.
Aber er ist ihnen nur vorausgegangen.
Sie haben ihn wiedergesehen
und erkannt, dass der Tod überwunden, besiegt ist.
 
Jesus ist nicht da,
um uns in der selben Weise zu trösten,
wie er seine Jünger getröstet hat:
indem er mit ihnen zusammen aß;
indem er ihnen das Brot brach, wie er es viele Male getan hatte;
indem er sich berühren ließ.
Aber wir haben sein Wort.
Wir haben sein Wort, dass er lebt.
Und dieses Wort kommt vom Ende her auf uns zu.
 
Es ist das Wort, durch das am Anfang die Welt geschaffen wurde.
Dieses Wort wird uns am Ende bei unserem Namen rufen.
Es ruft uns ins Leben, in ein neues Leben.
Dieses Wort haben wir jetzt schon.
Wir können es uns sagen lassen.
Dann ist es wie ein Licht,
das die Dunkelheit vertreibt
und damit die Ungeheuer,
die sich in den Ecken unserer Seele eingenistet haben.
 
Das Licht dieses Wortes besiegt die Angst.
Es gibt uns Hoffnung und Zuversicht,
dass keine Dunkelheit unendlich ist
und dass es keine Ungeheuer mehr geben wird,
keine Angst und auch keinen Tod.
Mit diesem Licht können wir der Dunkelheit
um uns und in uns die Stirn bieten.
Diesem Licht gehen wir entgegen.
Wir müssen nicht mehr lange warten:
Schon am nächsten Sonntag strahlt die erste Kerze auf.
Amen.